Wenn Mutter oder Vater nicht mehr allein zurechtkommen, das Pflegeheim aber keine Option ist, denken viele Familien an eine Betreuungskraft aus Polen. Polnische Pflegekräfte leben im Haushalt, helfen im Alltag und sind rund um die Uhr in der Nähe. Damit das gut und legal funktioniert, müssen Familien einige Regeln kennen. Wir von Pflege Panorama haben sie zusammengefasst.
Stand: September 2026 · Geprüft von der Pflege-Panorama-Redaktion · Rechtsgrundlage: Mindestlohngesetz, Arbeitnehmer-Entsendegesetz, § 7 SGB IV, §§ 37 und 77 SGB XI
Auf einen Blick: Polnische Pflegekräfte 2026
Was sie tun: Polnische Pflegekräfte sind meist Betreuungskräfte. Sie helfen bei Körperpflege, Haushalt und Alltag. Ärztlich verordnete Behandlungspflege übernimmt ein Pflegedienst.
Kosten: Seriöse Angebote beginnen meist bei rund 2.500 Euro im Monat. Es gilt der Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde, auch für Bereitschaftszeit (Bundesarbeitsgericht, 2021).
Legal: Erlaubt sind das Entsendemodell über eine Agentur, eine Anstellung durch die Familie oder eine echte Selbstständigkeit. Schwarzarbeit kann Nachzahlungen und Bußgelder bis 50.000 Euro nach sich ziehen.
Zuschüsse: Die Pflegekasse zahlt die Kraft nicht direkt. Das Pflegegeld von 347 bis 990 Euro und ein Steuerbonus von bis zu 4.000 Euro im Jahr helfen aber bei der Finanzierung.
Was sind polnische Pflegekräfte?
Eine polnische Pflegekraft ist eine Betreuungskraft aus Polen, die im Haushalt einer pflegebedürftigen Person in Deutschland lebt und sie im Alltag unterstützt. Umgangssprachlich heißen sie Pflegekräfte, fachlich sind die meisten keine examinierten Pflegefachkräfte. Das Modell nennt sich Betreuung in häuslicher Gemeinschaft oder 24-Stunden-Pflege.
Eine Arbeitserlaubnis brauchen sie nicht. Als Unionsbürger dürfen sich polnische Staatsangehörige zum Arbeiten in Deutschland aufhalten (§ 2 FreizügG/EU). Entscheidend ist nicht der Pass, sondern ein legales Beschäftigungsmodell.
Das Modell ist verbreitet, aber amtlich kaum erfasst. Nach einer Befragung des Bundesgesundheitsministeriums nutzten 2018 etwa 100.000 Haushalte eine Betreuungskraft im eigenen Zuhause. Detaillierte Zahlen gibt es nicht (Deutscher Bundestag, 2021). Der Bedarf ist groß: Ende 2023 wurden 86 % der 5,7 Millionen Pflegebedürftigen zu Hause versorgt (Statistisches Bundesamt, 2024).
Welche Aufgaben übernehmen sie?
Eine polnische Betreuungskraft hilft überall dort, wo im Alltag Unterstützung nötig ist. Welche Aufgaben genau dazu gehören, steht im Vertrag.
Grundpflege
- Hilfe beim Waschen, Duschen und bei der Zahnpflege
- Hilfe beim An- und Auskleiden und beim Toilettengang
- Unterstützung beim Aufstehen, Gehen und Umsetzen
- Erinnern an Mahlzeiten, Trinken und Medikamente
Haushalt
- Einkaufen, Kochen und Abwaschen
- Putzen, Wäsche waschen und Bügeln
Betreuung und Begleitung
- Gesellschaft leisten, Gespräche, Spaziergänge
- Begleitung zu Ärzten, Behörden oder zum Friseur
- Beaufsichtigung, zum Beispiel bei Demenz
Medizinische Behandlungspflege gehört in die Hände eines Pflegedienstes. Leistungen wie Wundversorgung oder Injektionen verordnet der Arzt als häusliche Krankenpflege. Die Krankenkasse zahlt dafür einen zugelassenen Pflegedienst (§ 37 SGB V). Wie beides zusammenpasst, zeigt unser Ratgeber 24-Stunden-Pflege und Pflegedienst kombinieren.
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Was kostet eine polnische Pflegekraft?
Seriöse Angebote für eine polnische Pflegekraft beginnen 2026 meist bei rund 2.500 Euro im Monat. Mehr kostet es bei sehr guten Deutschkenntnissen, viel Pflegeaufwand, Hilfe in der Nacht oder wenn zwei Personen betreut werden. Dazu kommen Kost und Logis und oft Reisekosten.
Grundlage des Preises ist der Mindestlohn. Er beträgt 13,90 Euro pro Stunde im Jahr 2026 und steigt am 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro (Mindestlohnanpassungsverordnung, 2025). Der höhere Pflegemindestlohn gilt in Privathaushalten nicht (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2025).
Bereitschaftszeit muss bezahlt werden. Das Bundesarbeitsgericht hat 2021 im Fall einer entsandten Betreuungskraft entschieden, dass auch Bereitschaftsdienst mit Mindestlohn zu vergüten ist. Ein Angebot, das für die tatsächliche Arbeitszeit weit unter dem Mindestlohn liegt, ist deshalb ein Warnsignal. Eine ausführliche Rechnung mit allen Zuschüssen finden Sie im Ratgeber 24-Stunden-Pflege Kosten 2026.
Legale Wege: So beschäftigen Sie eine Pflegekraft aus Polen
Legal ist eine polnische Pflegekraft nur mit einem sauberen Beschäftigungsmodell. Wir von Pflege Panorama sehen in der Praxis drei Wege.
- Entsendemodell: Die Kraft ist bei einer polnischen Firma angestellt und dort sozialversichert. Nachweis ist die A1-Bescheinigung. Eine Entsendung darf höchstens 24 Monate dauern (Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland, 2026). Deutsche Regeln zu Mindestlohn, Urlaub, Arbeitszeit und Unterkunft gelten auch für entsandte Kräfte (§ 2 AEntG). Details erklärt unser Ratgeber Das Entsendemodell.
- Anstellung durch die Familie: Sie werden selbst Arbeitgeber, melden die Kraft bei der Krankenkasse an und zahlen Sozialabgaben. Die Kraft ist bei der kommunalen Unfallkasse gesetzlich unfallversichert. Das einfache Haushaltsscheckverfahren gilt nur für Minijobs bis 603 Euro im Monat.
- Selbstständige Pflegekraft: Die Kraft arbeitet mit eigenem Gewerbe auf Rechnung. Der Zoll weist darauf hin, dass Haushaltshilfen üblicherweise abhängig beschäftigt sind. Wer Arbeitszeiten und Aufgaben vorgibt, riskiert Scheinselbstständigkeit (§ 7 SGB IV).
Bei Zweifeln hilft die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung. Familie und Pflegekraft können dort kostenfrei prüfen lassen, ob eine Beschäftigung vorliegt, auch schon vor Beginn (§ 7a SGB IV). Wer ohne Agentur sucht, findet Tipps im Ratgeber 24-Stunden-Pflege ohne Agentur.
Arbeitszeit, Freizeit und Urlaub
Eine polnische Pflegekraft arbeitet nicht 24 Stunden am Tag. Auch wenn sie im Haushalt wohnt, braucht sie feste Arbeitszeiten, Pausen und freie Zeit. Legen Sie diese schriftlich im Vertrag fest.
Ob das Arbeitszeitgesetz gilt, ist rechtlich umstritten. Das Gesetz nimmt Beschäftigte aus, die mit den betreuten Personen in häuslicher Gemeinschaft leben und sie eigenverantwortlich pflegen (§ 18 Abs. 1 Nr. 3 ArbZG). Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hält diese Ausnahme bei typischen Betreuungskräften meist nicht für erfüllt. Ein höchstrichterliches Urteil dazu gibt es nicht.
Urlaub steht auch Betreuungskräften zu. Das Bundesurlaubsgesetz sieht mindestens 24 Werktage im Jahr vor (§ 3 BUrlG). In der Praxis wechseln sich Kräfte oft nach einigen Wochen ab. Klären Sie mit der Agentur, wer die Vertretung übernimmt.
Wohnen im Haushalt: Zimmer und Verpflegung
Die Pflegekraft braucht ein eigenes Zimmer als Rückzugsort. Eine gesetzliche Mindestgröße gibt es nicht. Bett, Schrank, Tisch, Stuhl und ein abschließbarer Raum haben sich bewährt, dazu WLAN für den Kontakt zur Familie in Polen.
Kost und Logis stellt in der Regel die Familie. Die Kraft isst im Haushalt mit und nutzt Bad und Küche. Das erhöht die laufenden Kosten für Lebensmittel und Energie. Eine Checkliste zur Einrichtung finden Sie im Ratgeber Zimmer für polnische Pflegekraft.
So finden Sie eine seriöse polnische Pflegekraft
Eine gute Vorbereitung verhindert die meisten Probleme. Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:
- Bedarf aufschreiben: Welche Hilfe wird täglich gebraucht, auch nachts? Welche Deutschkenntnisse sind nötig?
- Pflegegrad klären: Beantragen Sie den Pflegegrad, falls noch keiner vorliegt. Das Pflegegeld hilft bei der Finanzierung.
- Angebote vergleichen: Holen Sie mehrere Angebote ein und prüfen Sie, was im Preis enthalten ist.
- Unterlagen prüfen: Verlangen Sie die A1-Bescheinigung, einen schriftlichen Vertrag mit Arbeits- und Freizeiten und eine Vertretungsregelung.
- Kennenlernen: Ein Telefonat oder Videogespräch vorab zeigt, ob Sprache und Chemie passen.
- Zahlung per Rechnung: Überweisen Sie auf Rechnung. Nur dann können Sie den Steuerbonus nutzen.
Die DIN SPEC 33454 gibt seit 2021 Orientierung. Sie enthält Empfehlungen für Vermittler, Partnerfirmen und Betreuungskräfte, etwa zur Qualifikation, sowie für Familien zur Wohn- und Arbeitssituation. Weitere Prüffragen enthält unsere Checkliste seriöse Anbieter.
Achten Sie auch auf die Kommunikation. Vereinbaren Sie, wie Sie mit der Kraft, der Agentur und anderen Angehörigen Kontakt halten, etwa über einen festen Ansprechpartner. Ein kurzes Übergabeprotokoll bei jedem Wechsel hilft, dass wichtige Informationen zu Medikamenten, Arztterminen und Gewohnheiten nicht verloren gehen.
Polen ist nicht das einzige Herkunftsland. Für Kräfte aus Rumänien, Bulgarien oder anderen EU-Staaten gelten dieselben Regeln zu Mindestlohn und Beschäftigung. Einen Vergleich bietet unser Ratgeber Pflegekräfte aus Osteuropa.
Was zahlen Pflegekasse und Finanzamt?
Die Pflegekasse bezahlt die polnische Pflegekraft nicht direkt. Die 24-Stunden-Betreuung ist keine direkte Leistung der Pflegeversicherung (Deutscher Bundestag, 2021). Eine Kraft, die mit dem Pflegebedürftigen zusammenlebt, kann nicht als Pflegesachleistung abgerechnet werden (§ 77 Abs. 1 SGB XI).
- Pflegegeld: 347 Euro bei Pflegegrad 2, 599 Euro bei Pflegegrad 3, 800 Euro bei Pflegegrad 4 und 990 Euro bei Pflegegrad 5 im Monat. Das Geld ist frei verwendbar (§ 37 SGB XI).
- Verhinderungspflege: Fällt die übliche Pflegeperson aus, zahlt die Kasse bis zu 8 Wochen im Jahr aus dem gemeinsamen Jahresbetrag von 3.539 Euro. Ob die ständig anwesende Betreuungskraft als Ersatzpflege gilt, klären Sie vorab mit der Pflegekasse.
- Steuer: 20 % der Arbeitskosten, höchstens 4.000 Euro im Jahr, mindern die Einkommensteuer (§ 35a EStG). Das Pflegegeld wird dabei nicht abgezogen (Bundesministerium der Finanzen, 2021).
Reichen Einkommen und Vermögen nicht, kann das Sozialamt Hilfe zur Pflege leisten. Beim Arbeitgebermodell soll es die angemessenen Kosten übernehmen (§ 64f SGB XII). Mehr dazu im Ratgeber Sozialhilfe zur Pflegefinanzierung.
Zum Vergleich: Im Pflegeheim zahlen Bewohner im ersten Jahr im Schnitt 3.364 Euro Eigenanteil im Monat (Verband der Ersatzkassen, 2026). Darin sind Wohnen und Essen enthalten. Wir von Pflege Panorama empfehlen, beide Wege mit den eigenen Zahlen durchzurechnen.


Polnische Pflegekräfte ermöglichen vielen Menschen ein Leben im eigenen Zuhause, wenn das Modell legal und gut vorbereitet ist. Prüfen Sie Vertrag, A1-Bescheinigung und Arbeitszeiten genau und nutzen Sie Pflegegeld und Steuerbonus. Unverbindliche Hilfe bei der Suche nach seriösen Anbietern finden Sie bei Pflege Panorama.
Die wichtigsten Fragen
Braucht eine polnische Pflegekraft eine Arbeitserlaubnis?
Nein. Polen gehört zur EU, polnische Staatsangehörige dürfen in Deutschland ohne Arbeitserlaubnis arbeiten. Wichtig ist aber ein legales Beschäftigungsmodell: Entsendung mit A1-Bescheinigung, Anstellung mit Anmeldung bei der Krankenkasse oder eine echte Selbstständigkeit. Ohne eines dieser Modelle liegt Schwarzarbeit vor, mit Risiken vor allem für die Familie.
Was kostet eine polnische Pflegekraft im Monat?
Seriöse Angebote beginnen 2026 meist bei rund 2.500 Euro im Monat. Der Preis steigt mit Arbeitszeit, Deutschkenntnissen und Pflegeaufwand. Grundlage ist der Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde, der auch für Bereitschaftszeit gilt. Pflegegeld und Steuerbonus senken die tatsächliche Belastung.
Zahlt die Pflegekasse eine polnische Pflegekraft?
Nicht direkt. Die Betreuungskraft lässt sich nicht als Pflegesachleistung abrechnen. Sie können aber das Pflegegeld von 347 bis 990 Euro im Monat frei dafür einsetzen. Unter Umständen hilft die Verhinderungspflege aus dem gemeinsamen Jahresbetrag von 3.539 Euro. Fragen Sie dazu vorab bei Ihrer Pflegekasse nach.
Wie lange darf eine polnische Pflegekraft bleiben?
Im Entsendemodell bleibt die Kraft höchstens 24 Monate im polnischen Sozialversicherungssystem, das bescheinigt die A1-Bescheinigung. Eine neue Entsendung ist frühestens 2 Monate nach dem Ende möglich. In der Praxis wechseln sich Betreuungskräfte meist nach einigen Wochen ab, das regelt der Vertrag.
Darf eine polnische Pflegekraft Medikamente geben?
Sie darf an Medikamente erinnern und beim Einnehmen helfen. Ärztlich verordnete Behandlungspflege wie Spritzen oder Wundversorgung übernimmt ein zugelassener Pflegedienst, den die Krankenkasse als häusliche Krankenpflege bezahlt. Viele Familien kombinieren deshalb die Betreuungskraft mit einem ambulanten Pflegedienst, der täglich oder wöchentlich vorbeikommt.
Wie viele Stunden arbeitet eine polnische Pflegekraft?
Das legt der Vertrag fest. Die Kraft wohnt im Haushalt, arbeitet aber nicht rund um die Uhr. Bereitschaftszeit muss mit Mindestlohn bezahlt werden. Ob das Arbeitszeitgesetz mit seinen Höchstgrenzen gilt, ist für Betreuungskräfte im Haushalt rechtlich nicht geklärt. Vereinbaren Sie Arbeits-, Pausen- und Freizeiten deshalb schriftlich.
Kann ich eine polnische Pflegekraft privat ohne Agentur einstellen?
Ja, dann sind Sie selbst Arbeitgeber. Sie melden die Kraft bei der Krankenkasse an, zahlen Sozialabgaben und müssen den Mindestlohn einhalten. Das Haushaltsscheckverfahren gilt nur für Minijobs bis 603 Euro. Ein Gewerbeschein der Kraft allein schützt nicht vor Scheinselbstständigkeit, wenn Sie Zeiten und Aufgaben vorgeben.
Was passiert bei Schwarzarbeit mit einer polnischen Pflegekraft?
Als Arbeitgeber schulden Sie dann die Sozialversicherungsbeiträge nach, dazu Säumniszuschläge von 1 % pro Monat. Beiträge verjähren nach 4 Jahren, bei Vorsatz erst nach 30 Jahren. Bußgelder bis 50.000 Euro und bei vorenthaltenen Beiträgen sogar Freiheitsstrafen sind möglich. Eine Erleichterung für Privathaushalte gibt es nur bei Minijobs.