Krebs, Schlaganfall, schwere chronische Erkrankungen. Bei diesen Diagnosen verändert sich der Alltag oft schlagartig. Treppensteigen wird zur Herausforderung, Einkaufen unmöglich, Haushaltsführung nicht mehr leistbar. Die Krankenkasse zahlt in diesen Fällen oft eine Haushaltshilfe nach § 38 SGB V, auch wenn (noch) kein Pflegegrad festgestellt ist.
Wir von Pflege Panorama erklären in diesem Ratgeber, welche Krankheitsbilder einen Anspruch auf Haushaltshilfe begründen, wie der Antrag bei Krebs, Schlaganfall und chronischen Erkrankungen läuft, und welche Förderung danach durch die Pflegekasse anschließen kann. Stand: Mai 2026, geprüft von der Pflege-Panorama-Redaktion.
Vorab das Wichtigste: Bei schweren Erkrankungen wird Pflege-Panorama von Familien oft erst kontaktiert, wenn der Pflegebedarf akut ist. Wer früh die Krankenkasse einbezieht und parallel einen Pflegegrad-Antrag stellt, bekommt mehrere Förder-Töpfe gleichzeitig.
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Auf einen Blick: Haushaltshilfe bei Krankheit
Bei Krebs. Während Chemo/Strahlentherapie oft § 38 SGB V erstattungsfähig. Bis 26 Wochen mit Verlängerungs-Option. Parallel Pflegegrad-Antrag wenn die Erkrankung Pflegebedürftigkeit verursacht.
Bei Schlaganfall. Akutphase nach Krankenhaus über § 38 SGB V. Dauerhafter Pflegebedarf über Pflegegrad-Einstufung und § 45b/§ 45a Abs. 4 SGB XI.
Bei chronischen Krankheiten (Multiple Sklerose, Parkinson, COPD). Oft direkt Pflegegrad. Akutphasen mit Schub können zusätzlich § 38 SGB V auslösen.
Bei Risiko-Schwangerschaft. § 38 SGB V bis zur Geburt. Eigener Anwendungsfall.
Erstattungs-Stundensatz. 12 bis 18 Euro pro Stunde durch Krankenkasse. Differenz zum tatsächlichen Stundensatz steuerlich nach § 35a EStG absetzbar.
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Haushaltshilfe bei Krebs-Erkrankung
Onkologische Behandlungen sind oft mit erheblicher körperlicher und psychischer Belastung verbunden. Übelkeit, Schwäche, Konzentrationsverlust, Infektrisiko: alles macht eigene Haushaltsführung schwer.
Anspruchsgrundlage: § 38 SGB V, in vielen Fällen erweitert um Satzungsleistung der Krankenkasse, auch ohne Kind im Haushalt.
Dauer: Bei längerer Behandlung kann auf bis zu 26 Wochen ausgeweitet werden. Wichtig: Verordnung muss medizinische Notwendigkeit konkret begründen.
Was sollte die Haushaltshilfe leisten: Reinigung, Wäsche (besonders bei Chemo-Phasen mit Infektrisiko sorgsam), Einkauf, Mahlzeiten zubereiten. Bei Geschmacksveränderungen während Chemo individuelle Ernährungsbedarfe berücksichtigen.
Hygiene-Besonderheit: Während Chemo ist das Immunsystem geschwächt. Haushaltshilfe mit guter Hygienepraxis, ggf. Mund-Nase-Schutz bei akuten Infekten.
Haushaltshilfe nach Schlaganfall
Schlaganfall trifft jährlich rund 270.000 Menschen in Deutschland. Folgen reichen von leichten Mobilitätseinschränkungen bis zu schweren Lähmungen und Sprachstörungen.
Phase 1: Akutphase im Krankenhaus. Sozialdienst der Klinik kümmert sich oft um Antrag auf Haushaltshilfe nach § 38 SGB V für die Zeit nach Entlassung.
Phase 2: Reha. Während stationärer Reha läuft Haushaltshilfe weiter, falls Angehörige zu Hause bleiben und keinen Haushalt führen können. Bei ambulanter Reha analog.
Phase 3: Heimkehr und Pflegegrad. Wenn bleibende Einschränkungen vorliegen, Pflegegrad-Antrag stellen. Damit öffnen sich Pflegekassen-Leistungen: § 45b Entlastungsbetrag (131 Euro/Monat ab PG 1), § 45a Abs. 4 (bis 919,60 Euro bei PG 5), Pflegegeld, Pflegesachleistung. Mehr in unserem Ratgeber zu Haushaltshilfe je Pflegegrad.
Phase 4: Langzeit-Versorgung. Kombination aus Haushaltshilfe (über § 45b), Alltagsbegleitung, ggf. ambulantem Pflegedienst.
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Chronische Erkrankungen: Multiple Sklerose, Parkinson, COPD
Bei chronischen Erkrankungen ist der Versorgungsbedarf oft schwankend. Schub-Phasen mit akutem Bedarf wechseln sich mit stabileren Phasen ab.
Empfehlung: Frühzeitig Pflegegrad-Antrag stellen, auch bei niedrigem Pflegegrad (1 oder 2). Damit ist die Förderung über § 45b dauerhaft gesichert.
Bei Schüben: Zusätzlich § 38 SGB V beantragen für die Dauer der Akut-Situation. Diese Kombination ist erlaubt, soweit nicht für die gleichen Stunden doppelt abgerechnet wird.
Multiple Sklerose: Oft schubweise Verläufe. Haushaltshilfe in Schubzeiten besonders wichtig, in stabilen Phasen reduziert.
Parkinson: Schleichende Verschlechterung. Pflegegrad steigt typischerweise mit der Zeit, Haushaltshilfe-Bedarf wächst.
COPD: Atemwegserkrankung mit körperlicher Belastungsgrenze. Haushaltshilfe wichtig für Treppen, Putzen, Einkäufe mit körperlicher Anstrengung.
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Konkrete Antragsbeispiele
Beispiel 1: Frau M., 67, Brustkrebs nach OP
Situation: Brust-OP, anschließend 16 Wochen Chemotherapie. Witwe, allein lebend.
Antrag: § 38 SGB V mit Verweis auf Satzungsleistung der AOK (ohne Kind im Haushalt). Ärztliche Verordnung vom Onkologen.
Bewilligung: 8 Stunden pro Woche Haushaltshilfe, 16 Wochen, bei einem Stundenpauschalsatz von 16 Euro = 2.048 Euro Erstattung gesamt.
Eigenanteil: Wenn Frau M. einen Anbieter zu 32 Euro pro Stunde nutzt, trägt sie 16 Euro pro Stunde selbst. Bei 8 Stunden pro Woche x 16 Wochen = 2.048 Euro Eigenanteil, davon 20 Prozent nach § 35a EStG absetzbar = ca. 410 Euro Steuerermäßigung.
Beispiel 2: Herr K., 74, Schlaganfall
Situation: Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung, 4 Wochen Krankenhaus, 6 Wochen Reha, Heimkehr mit bleibender Mobilitätseinschränkung.
Antrag Phase 1: § 38 SGB V für 4 Wochen nach Krankenhausentlassung. Erstattung 6 Stunden pro Woche.
Antrag Phase 2: Parallel Pflegegrad-Antrag. Begutachtung ergibt Pflegegrad 3.
Phase 3 (Heimkehr nach Reha): § 45b Entlastungsbetrag 131 Euro pro Monat + § 45a Abs. 4 598,80 Euro = 729,80 Euro monatlich. Plus Pflegegeld 599 Euro für selbst organisierte Pflege durch Familie.
Vollkosten der Versorgung: Bei 6 Stunden Haushaltshilfe pro Woche zu 35 Euro = 840 Euro pro Monat. Nach Pflegekasse 110 Euro Eigenanteil. Tragbar.
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Antragstipps für schwere Erkrankungen
Sozialdienst der Klinik einbinden. Bei stationärem Aufenthalt der Hauptansprechpartner. Stellt oft selbst den Antrag und kümmert sich um Anbieterauswahl.
Hausarzt früh informieren. Konkrete Diagnose, Mobilitäts-Einschränkung, Begleitsymptome auf der Verordnung dokumentieren. Vage Begründungen werden öfter abgelehnt.
Parallel Pflegegrad-Antrag. Bei dauerhaftem Bedarf der nachhaltigere Weg. Antrag kann sofort gestellt werden, Begutachtung folgt.
Patientenberatung der UPD oder Verbraucherzentrale kostenfrei nutzen. Bei komplexen Fällen Sozialverband VdK oder SoVD.
Bei Ablehnung Widerspruch. Frist 1 Monat. Bei Krebs-Erkrankung oft sehr gute Erfolgsquote, weil medizinische Notwendigkeit klar ist. Mehr in unserem Ratgeber zum Haushaltshilfe-Widerspruch.


Die wichtigsten Fragen
Übernimmt die Krankenkasse Haushaltshilfe bei Krebs?
Ja, in vielen Fällen. § 38 SGB V deckt Haushaltshilfe während Chemo/Strahlentherapie, bei Krankenhausaufenthalt und nach OP. Bei alleinlebenden Patientinnen oft erweiterte Satzungsleistung der Kasse ohne Kind-Voraussetzung. Dauer bis 26 Wochen mit Verlängerung. Stundensätze 12 bis 18 Euro Erstattung.
Wie lange zahlt die Krankenkasse nach einem Schlaganfall?
Akutphase nach Krankenhaus bis zu 4 Wochen über § 38 SGB V. Bei bleibender Pflegebedürftigkeit Wechsel auf Pflegekassen-Leistungen über § 45b SGB XI und Pflegegrad. Diese Übergangsphase muss aktiv organisiert werden, sonst entsteht eine Förder-Lücke.
Was ist der Unterschied zwischen § 38 SGB V und § 45b SGB XI?
§ 38 SGB V ist Krankenkassen-Leistung für vorübergehende, akute Haushaltshilfe. § 45b SGB XI ist Pflegekassen-Leistung (Entlastungsbetrag 131 Euro pro Monat) für dauerhafte Hauswirtschafts-Unterstützung mit Pflegegrad. Beide Töpfe sind in bestimmten Konstellationen kombinierbar.
Bekomme ich bei Multiple Sklerose oder Parkinson Haushaltshilfe?
Bei chronischen Erkrankungen wird oft direkt der Pflegegrad-Weg gegangen, weil der Bedarf dauerhaft ist. Bei akuten Schüben kann zusätzlich § 38 SGB V beantragt werden. Pflegegrad öffnet § 45b Entlastungsbetrag und § 45a Abs. 4 Umwandlungsanspruch.
Welche Rolle spielt der Sozialdienst der Klinik?
Bei stationären Aufenthalten zentral. Der Sozialdienst stellt oft den Antrag auf Haushaltshilfe und kümmert sich um die Anbieterauswahl für die Zeit nach Entlassung. Patienten und Angehörige sollten ihn aktiv ansprechen, idealerweise in der ersten Woche der Behandlung.
Was kann ich bei Ablehnung tun?
Widerspruch innerhalb 1 Monats. Bei Krebs-Erkrankung mit Chemotherapie sehr gute Erfolgsquote, weil medizinische Notwendigkeit unstrittig. Bei chronischen Erkrankungen mit schwankendem Verlauf detaillierte Verordnung mit Schub-Beschreibung einreichen. Mehr in unserem Ratgeber zum Haushaltshilfe-Widerspruch.
Kann ich gleichzeitig Krankenkassen- und Pflegekassen-Leistungen bekommen?
Ja, in vielen Konstellationen. § 38 SGB V für die Akutphase, § 45b SGB XI für die fortlaufende Versorgung. Wichtig: keine Doppel-Erstattung der gleichen Stunden. Stunden klar zuordnen, Belege getrennt einreichen.
Wie schnell bekomme ich nach Krankenhausentlassung Hilfe?
Bei rechtzeitiger Beantragung über Klinik-Sozialdienst: ab Tag 1 nach Entlassung. Bei späterer Beantragung typischerweise 5 bis 14 Tage Bewilligungsdauer. Bei akutem Bedarf telefonisch um beschleunigte Bearbeitung bitten oder Pflege-Panorama-Vermittlung kontaktieren, die parallel Anbieter sucht.