Ein Badezimmer Gehhilfe-freundlich zu gestalten ist einfacher als viele denken. Anders als bei Rollstühlen brauchen Gehhilfen wie Gehstock, Unterarmgehstützen oder Rollator weniger Platz und weniger bauliche Anpassungen. Wir von Pflege Panorama zeigen Ihnen, wie viel Rollator Platz Sie wirklich brauchen, welche Türbreite ausreichend ist und welche Ausstattung die Mobilität Bad sicher macht.
Die wichtigste Erkenntnis vorweg: 120 x 120 Zentimeter Bewegungsfläche reichen für die meisten Gehhilfen aus. Das ist deutlich weniger als die 150 Zentimeter für Rollstühle. Mit den richtigen Haltegriffen und kleinen Anpassungen wird Ihr Bad sicher und komfortabel nutzbar.
Platzbedarf verschiedener Gehhilfen im Badezimmer
Breite: 10 cm, Tiefe: 10 cm, Bewegungsfläche: 60 x 60 cm, Türbreite min. 70 cm, platzsparendste Gehhilfe
Breite: 50-60 cm, Tiefe: 15 cm, Bewegungsfläche: 80 x 80 cm, Türbreite min. 70 cm
Breite: 50-60 cm, Tiefe: 40-50 cm, Bewegungsfläche: 100 x 100 cm, Türbreite min. 80 cm
Breite: 60-65 cm, Tiefe: 65-70 cm, Bewegungsfläche: 120 x 120 cm (DIN 18040-2), Türbreite min. 80 cm
Breite: 70 cm, Tiefe: 75 cm, Bewegungsfläche: 120 x 120 cm, Türbreite empfohlen 85-90 cm
Platzbedarf: Wie viel Raum brauchen Gehhilfen im Bad wirklich?
Die Frage nach dem Platzbedarf ist die erste bei der Planung. Unterschiedliche Gehhilfen brauchen unterschiedlich viel Raum – und deutlich weniger als oft angenommen.
Ein Gehstock ist die platzsparendste Gehhilfe. Mit etwa 10 Zentimeter Durchmesser nimmt er kaum Platz weg. Die nötige Bewegungsfläche liegt bei etwa 60 x 60 Zentimetern – das ist der Raum, den Sie brauchen, um mit dem Stock zu stehen und sich zu drehen. Jedes normale Badezimmer bietet diese Fläche problemlos.
Unterarmgehstützen – umgangssprachlich Krücken genannt – werden paarweise genutzt. Zusammen sind sie etwa 50 bis 60 Zentimeter breit und 15 Zentimeter tief. Die nötige Bewegungsfläche beträgt etwa 80 x 80 Zentimeter. Das ist immer noch deutlich weniger als bei einem Rollator.
Ein Gehgestell – auch Gehrahmen genannt – ist breiter als Krücken. Es misst etwa 50 bis 60 Zentimeter in der Breite und 40 bis 50 Zentimeter in der Tiefe. Die Bewegungsfläche sollte mindestens 100 x 100 Zentimeter betragen. Gehgestelle haben keine Räder und müssen angehoben werden, was etwas mehr Platz erfordert.
Ein Standard-Rollator ist etwa 60 bis 65 Zentimeter breit und 65 bis 70 Zentimeter tief. Die erforderliche Bewegungsfläche nach DIN 18040-2 beträgt 120 x 120 Zentimeter. Diese Fläche ermöglicht das Bewegen, Rangieren und Abstellen des Rollators.
XXL-Rollatoren für größere oder schwerere Menschen sind bis zu 70 Zentimeter breit und 75 Zentimeter tief. Auch sie kommen mit 120 x 120 Zentimeter Bewegungsfläche aus – die Norm berücksichtigt bereits größere Modelle.
Der Vergleich zum Rollstuhl zeigt den Unterschied: Rollstühle brauchen 150 x 150 Zentimeter Bewegungsfläche, also 30 Zentimeter mehr in jede Richtung. Das klingt nach wenig, bedeutet aber fast einen Quadratmeter zusätzliche Fläche. Für Gehhilfen reichen die kleineren Flächen, weil Nutzer stehen und gehen können – sie sind nicht auf die Wendefläche des Rollstuhls angewiesen.
Bewegungsflächen: 120 x 120 cm als Standard für Gehhilfen
Die Bewegungsflächen im Badezimmer Gehhilfe-gerecht zu gestalten bedeutet: Vor jedem Sanitärobjekt – WC, Waschtisch, Dusche – muss eine freie Fläche von mindestens 120 x 120 Zentimetern vorhanden sein. Das ist die Norm nach DIN 18040-2 für barrierefreie Bäder und reicht für alle gängigen Gehhilfen aus.
Diese 120 Zentimeter sind ausreichend für Rollator, Gehgestell, Unterarmgehstützen und Gehstock. Die Fläche ermöglicht das Heranfahren oder Herangehen, das Rangieren und die stützende Bewegung. Anders als bei Rollstühlen brauchen Gehhilfen-Nutzer keine vollständige 360-Grad-Drehung – sie können ihre Füße bewegen und sich drehen.
Ein großer Vorteil: Bewegungsflächen dürfen sich überlagern. Die 120 x 120 Zentimeter vor dem WC können teilweise in die Bewegungsfläche vor dem Waschtisch hineinragen. Die Duschfläche kann als Bewegungsfläche mitgerechnet werden, wenn sie bodengleich ist. So lässt sich auch ein 5 bis 6 Quadratmeter großes Bad gehhilfen-freundlich gestalten.
Wichtig ist eine freie Fläche in der Raummitte. Hier muss ebenfalls eine Fläche von 120 x 120 Zentimetern frei bleiben, damit Sie mit dem Rollator oder Gehgestell rangieren können. Das bedeutet: keine Möbel, keine Badematten, keine Wäschekörbe in der Mitte des Raums.
Der Mindestabstand zwischen Objekten beträgt 20 Zentimeter. Zwischen WC und Waschtisch, zwischen Waschtisch und Wand – überall müssen mindestens 20 Zentimeter Platz sein. Das verhindert Anstoßen mit der Gehhilfe und gibt Bewegungsfreiheit.
Bewegungsflächen und Türbreite für Gehhilfen
Bewegungsfläche 120 x 120 cm als Standard nach DIN 18040-2 für barrierefreie Bäder vor jedem Sanitärobjekt (WC, Waschtisch, Dusche) ausreichend für alle gängigen Gehhilfen - deutlich weniger als 150 cm für Rollstühle. Fläche ermöglicht Heranfahren/Herangehen, Rangieren und stützende Bewegung. Gehhilfen-Nutzer können Füße bewegen und sich drehen ohne vollständige 360-Grad-Drehung. Bewegungsflächen dürfen sich überlagern: 120 cm vor WC können teilweise in Fläche vor Waschtisch hineinragen, Duschfläche kann als Bewegungsfläche mitgerechnet werden wenn bodengleich - so wird auch 5-6 m² Bad gehhilfen-freundlich. Freie Fläche in Raummitte ebenfalls 120 x 120 cm nötig zum Rangieren, keine Möbel/Badematten/Wäschekörbe dort. Mindestabstand zwischen Objekten 20 cm überall verhindert Anstoßen mit Gehhilfe. Türbreite 80 cm lichte Breite für die meisten Gehhilfen ausreichend: Gehstock/Unterarmgehstützen bereits mit 70 cm möglich, Standard-Rollator 60-65 cm breit passt problemlos durch 80 cm mit 15-20 cm Luft pro Seite, XXL-Rollator 70 cm breit wird enger bei 80 cm - besser 85-90 cm lichte Breite. Wichtig: Lichte Breite ist tatsächlich nutzbare Durchgangsbreite bei geöffneter Tür (Türblatt 90 cm ergibt oft nur 85 cm lichte Breite durch Rahmen/Blattdicke).
Türbreite: 80 cm für die meisten Gehhilfen ausreichend
Die Türbreite ist oft die größte Sorge bei der Planung. Die gute Nachricht: Für die meisten Gehhilfen reichen 80 Zentimeter lichte Breite vollkommen aus.
Gehstock und Unterarmgehstützen sind so schmal, dass bereits 70 Zentimeter ausreichen würden. Aber 80 Zentimeter sind der Standard für barrierefreie Türen und bieten mehr Komfort beim Durchgehen.
Ein Standard-Rollator mit 60 bis 65 Zentimeter Breite passt problemlos durch eine 80 Zentimeter breite Tür. Es bleiben 15 bis 20 Zentimeter Luft auf jeder Seite – genug für bequemes Durchfahren ohne Anstoßen.
XXL-Rollatoren mit 70 Zentimeter Breite passen auch noch durch 80 Zentimeter Türen, aber es wird enger. Hier sind 85 bis 90 Zentimeter lichte Breite komfortabler. Wenn Sie einen XXL-Rollator haben oder planen anzuschaffen, messen Sie vorher die Türbreite.
Wichtig: Lichte Breite ist die tatsächlich nutzbare Durchgangsbreite bei geöffneter Tür. Ein Türblatt mit 90 Zentimeter Breite ergibt oft nur 85 Zentimeter lichte Breite, weil Türrahmen und Türblattdicke abgehen. Messen Sie im Zweifel nach.
Die Öffnungsrichtung sollte nach außen sein oder die Tür als Schiebetür ausgeführt werden. Wenn jemand im Bad stürzt und vor der Tür liegt, kann eine nach innen öffnende Tür nicht geöffnet werden. Eine nach außen öffnende Tür ermöglicht Zugang im Notfall.
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Schwellen: Höhe entscheidend für Mobilität Bad
Schwellen sind für Gehhilfen-Nutzer eine Herausforderung, aber keine unüberwindbare Barriere. Die Frage ist: Wie hoch ist noch machbar?
Mit einem Gehstock können Schwellen bis 5 Zentimeter überwunden werden. Sie steigen einfach darüber. Das ist zwar nicht komfortabel, aber möglich. Bei höheren Schwellen wird es schwierig.
Unterarmgehstützen ermöglichen das Überwinden von Schwellen bis etwa 3 Zentimeter. Sie können die Krücken vorsetzen, einen Schritt machen und hochsteigen. Höhere Schwellen sind mit Krücken problematisch, weil Sie Ihr ganzes Gewicht auf die Arme stützen müssen.
Ein Rollator kann über Schwellen bis 2 Zentimeter gerollt werden – das ist die Norm nach DIN 18040-2. In der Praxis zeigt sich: Schwellen bis 5 Zentimeter sind machbar, wenn Sie den Rollator kurz anheben. Das ist mühsam und nicht empfohlen, funktioniert aber.
Ein Gehgestell ohne Räder muss bei jeder Schwelle angehoben werden. Maximal 2 Zentimeter sind hier die Grenze, darüber wird es zu anstrengend.
Ideal ist schwellenlos – also 0 Zentimeter Höhenunterschied. Das ermöglicht problemloses Passieren mit jeder Gehhilfe. Wenn der Abbau einer Schwelle 300 bis 500 Euro kostet und Sie täglich mehrmals darüber müssen, ist die Investition sinnvoll. Wenn die Schwelle aber nur 2 Zentimeter hoch ist und Sie problemlos darüber kommen, können Sie das Geld sparen.
Schwellen überwinden und Stolperfallen beseitigen
Schwellen für Gehhilfen überwindbar aber Herausforderung: Gehstock bis 5 cm möglich (einfach darüber steigen, nicht komfortabel aber machbar), Unterarmgehstützen bis 3 cm (Krücken vorsetzen, Schritt machen, hochsteigen - höhere Schwellen problematisch da ganzes Gewicht auf Arme), Rollator bis 2 cm nach DIN 18040-2 rollbar (praktisch bis 5 cm machbar wenn Rollator kurz angehoben - mühsam nicht empfohlen), Gehgestell ohne Räder muss bei jeder Schwelle angehoben werden max. 2 cm Grenze. Ideal schwellenlos (0 cm) für problemloses Passieren mit jeder Gehhilfe. Stolperfallen beseitigen für Sicherheit: Badematten mit rutschfester Unterseite max. 1-2 cm hoch (dicke weiche Matten kippen mit Gehhilfe), keine losen Teppiche (verrutschen und werfen Wellen), Kabel sichern/verdeckt verlegen, rutschfeste Fliesen mindestens R10 besser R11 (bei Ausrutschen mit Gehhilfe kein schnelles Abfangen möglich). Gute Beleuchtung mindestens 300 Lux mit mehreren Lichtquellen und Bewegungsmeldern, Farbkontraste zwischen Boden/Wand/Sanitärobjekten zur Orientierung. Abstellplatz für Gehhilfe wichtig: Rollator mitten im Raum ist selbst Stolperfalle (an Wand/Ecke stellen, faltbare zusammenklappen), Gehstöcke brauchen Haken an Wand/Tür, Gehgestelle kippen leicht um - sicherer Stand nötig.
Stolperfallen beseitigen: Sicherheit für Gehhilfen-Nutzer
Stolperfallen sind für Menschen mit Gehhilfen gefährlicher als zu enge Türen. Die Reaktionszeit ist langsamer, die Balance unsicherer. Ein Sturz kann schwere Folgen haben.
Badematten müssen eine rutschfeste Unterseite haben und dürfen maximal 1 bis 2 Zentimeter hoch sein. Dicke, weiche Matten können beim Betreten mit Gehhilfe kippen oder sich verschieben. Flache Matten mit Gumminoppen an der Unterseite sind sicher.
Lose Teppiche haben im Gehhilfe Badezimmer nichts zu suchen. Sie verrutschen, werfen Wellen und sind klassische Stolperfallen. Auch Kabel auf dem Boden von Föhn, Rasierer oder elektrischer Zahnbürste müssen gesichert oder verdeckt verlegt werden.
Rutschfeste Fliesen sind die Basis. Die Bewertungsgruppe sollte mindestens R10, besser R11 betragen. Gerade bei Nässe ist das entscheidend. Wer mit Gehhilfe unterwegs ist, kann sich bei Ausrutschen nicht schnell genug abfangen.
Gute Beleuchtung ist entscheidend. Mindestens 300 Lux sollten es sein. Mehrere Lichtquellen sind besser als eine zentrale Deckenleuchte. Bewegungsmelder sind praktisch – das Licht geht automatisch an, niemand muss im Dunkeln nach dem Schalter suchen.
Farbkontraste zwischen Boden, Wand und Sanitärobjekten erleichtern die Orientierung. Eine weiße Toilette auf dunklem Boden ist leichter zu erkennen als eine weiße Toilette auf weißen Fliesen.
Der Abstellplatz für die Gehhilfe ist wichtig. Ein Rollator, der mitten im Raum steht, ist selbst eine Stolperfalle. Stellen Sie ihn an die Wand oder in eine Ecke. Faltbare Rollatoren können zusammengeklappt werden. Gehstöcke brauchen einen Haken an Wand oder Tür. Gehgestelle kippen leicht um – sie brauchen einen sicheren Stand.
Haltegriffe wichtiger als Unterfahrbarkeit bei Gehhilfen
Haltegriffe sind wichtigstes Element für Gehhilfen-Badezimmer und geben Sicherheit beim Bewegen, Hinsetzen, Aufstehen. Senkrechte Griffe mindestens 150 cm hoch ideal in Dusche für Halt beim Aufstehen vom Duschhocker, waagerechte Griffe in 85 cm Höhe als Standard am WC/Waschtisch/Dusche (im Stehen und leicht gebückt gut erreichbar). Stützklappgriffe am WC besonders wichtig beidseitig und hochklappbar, Oberkante 28 cm über Sitzhöhe - erleichtert Hinsetzen und besonders Aufstehen enorm. Belastbarkeit aller Griffe mindestens 100 kg, Montage fest in Wand (Saugnapf-Griffe nur temporär). Unterschied zu rollstuhlgerechten Bädern: Bei Gehhilfen sind Haltegriffe wichtiger als Unterfahrbarkeit - Gehhilfen-Nutzer können stehen und brauchen kein unterfahrbares Waschbecken, brauchen aber überall Griffe zum Festhalten. WC Komforthöhe 46-48 cm für Gehhilfen wichtig (normale 40 cm zu niedrig), Toilettensitzerhöhung als Alternative 30-150 € erhöht Sitzhöhe um 5-15 cm auf Krankenkassen-Rezept. Dusche bodengleich schwellenlos oder max. 2 cm Schwelle, Mindestgröße 120 x 120 cm ausreichend (kleiner als 150 cm für Rollstuhl), Duschhocker 30-150 € auf Rezept für sicheres Duschen im Sitzen. Viele lassen Rollator vor Dusche stehen, gehen letzte Schritte mit Festhalten an Haltegriff - spart Platz. Waschtisch: Beinfreiheit hilfreich aber nicht zwingend (normaler Waschtisch mit Unterschrank funktioniert), Haltegriffe seitlich praktischer für Abstützen beim längeren Stehen, Höhe 80-85 cm Standard. Teilanpassungen oft ausreichend: Duschhocker 100 €, Toilettensitzerhöhung 80 €, fünf Haltegriffe 1.500 € = 1.000-3.000 € gesamt statt 10.000-20.000 € Komplettsanierung.
Haltegriffe: Wichtiger als Unterfahrbarkeit bei Gehhilfen
Haltegriffe sind das wichtigste Element im Badezimmer Gehhilfe-freundlich zu gestalten. Sie geben Sicherheit beim Bewegen, Hinsetzen und Aufstehen. An jedem kritischen Punkt sollte ein Griff sein.
Senkrechte Griffe mit mindestens 150 Zentimeter Höhe sind ideal in der Dusche. Sie geben Halt beim Aufstehen aus dem Duschhocker und beim Festhalten während des Duschens. Man kann sich mit einer Hand oben festhalten, während die andere Hand die Handbrause hält.
Waagerechte Griffe in 85 Zentimeter Höhe sind der Standard. Diese Höhe ist sowohl im Stehen als auch leicht gebückt gut erreichbar. Solche Griffe sollten am WC, am Waschtisch und in der Dusche angebracht werden.
Stützklappgriffe am WC sind besonders wichtig. Sie sollten beidseitig angebracht werden und hochklappbar sein. Die Oberkante liegt 28 Zentimeter über der Sitzhöhe. Das erleichtert das Hinsetzen und besonders das Aufstehen enorm.
Der Unterschied zu rollstuhlgerechten Bädern: Bei Gehhilfen sind Haltegriffe wichtiger als Unterfahrbarkeit. Gehhilfen-Nutzer können stehen und brauchen kein unterfahrbares Waschbecken. Sie brauchen aber überall Griffe, an denen sie sich festhalten können.
Die Belastbarkeit aller Griffe muss mindestens 100 Kilogramm betragen. Die Montage sollte fest in der Wand erfolgen. Saugnapf-Griffe reichen nur für temporäre Nutzung.
WC: Komforthöhe 46-48 cm für Gehhilfen-Nutzer
Das WC ist für Gehhilfen-Nutzer oft die größte Herausforderung. Eine normale Toilette mit 40 Zentimeter Sitzhöhe ist zu niedrig. Das Hinsetzen geht noch, aber das Aufstehen wird zur Kraftanstrengung.
Eine Toilette mit Komforthöhe hat eine Sitzhöhe von 46 bis 48 Zentimetern, inklusive WC-Sitz. Das entspricht etwa der Sitzhöhe eines normalen Stuhls. Das Hinsetzen und besonders das Aufstehen wird deutlich einfacher.
Wer nicht gleich die komplette Toilette austauschen möchte, kann eine Toilettensitzerhöhung nutzen. Diese Aufsätze werden einfach auf die vorhandene Toilette montiert und erhöhen die Sitzhöhe um 5 bis 15 Zentimeter. Sie kosten 30 bis 150 Euro und werden oft von der Krankenkasse auf Rezept übernommen.
Stützklappgriffe beidseitig sind unverzichtbar. Sie helfen beim Hinsetzen, aber vor allem beim Aufstehen. Viele Gehhilfen-Nutzer stellen ihren Rollator oder Gehstock zur Seite und drücken sich an den Griffen hoch.
Die Bewegungsfläche vor dem WC beträgt 120 x 120 Zentimeter. Das reicht aus, um mit dem Rollator heranzufahren, ihn seitlich abzustellen und sich mit Hilfe der Haltegriffe auf die Toilette zu setzen. Der Rollator kann seitlich abgestellt werden, wenn mindestens 20 Zentimeter Abstand zum Waschtisch oder zur Wand vorhanden sind.
Dusche: Bodengleich mit Duschhocker für sichere Körperpflege
Die Dusche sollte für Gehhilfen-Nutzer bodengleich sein, also schwellenlos oder mit maximal 2 Zentimeter Schwelle. Das ermöglicht die Einfahrt mit dem Rollator ohne über eine Kante steigen zu müssen.
Die Mindestgröße von 120 x 120 Zentimetern reicht für Gehhilfen-Nutzer aus. Das ist deutlich kleiner als die 150 x 150 Zentimeter für Rollstuhlnutzer. In diese Fläche passt der Rollator, und es bleibt Platz zum Rangieren.
Ein Duschhocker ist wichtig für sicheres Duschen im Sitzen. Langes Stehen unter der Dusche ist anstrengend und kann zu Schwindel führen. Ein stabiler Duschhocker kostet 30 bis 150 Euro und wird oft von der Krankenkasse auf Rezept übernommen.
Haltegriffe sollten sowohl senkrecht als auch waagerecht angebracht werden. Ein senkrechter Griff mit 150 Zentimeter Höhe hilft beim Aufstehen vom Duschhocker. Ein waagerechter Griff in 85 Zentimeter Höhe gibt Halt während des Duschens.
Die Handbrause muss flexibel erreichbar sein. Eine Halterung in variabler Höhe ermöglicht die Nutzung im Sitzen und im Stehen. Die Brause sollte so positioniert sein, dass sie auch vom Duschhocker aus gut erreichbar ist.
Viele Gehhilfen-Nutzer lassen ihren Rollator draußen vor der Dusche stehen. Sie gehen die letzten Schritte mit Festhalten am Haltegriff und setzen sich auf den Duschhocker. Das spart Platz in der Dusche.
Waschtisch: Beinfreiheit hilfreich, aber nicht zwingend
Eine oft übersehene Tatsache: Gehhilfen-Nutzer brauchen kein unterfahrbares Waschbecken. Anders als Rollstuhlnutzer können sie stehen und herantreten. Ein normaler Waschtisch mit Unterschrank funktioniert problemlos.
Hilfreich ist aber Beinfreiheit vorne. Wenn der Unterschrank zurückversetzt ist oder das Waschbecken freistehend, kann man näher herantreten. Das erleichtert das Waschen und Zähneputzen. Aber zwingend notwendig ist es nicht.
Haltegriffe seitlich am Waschtisch sind praktischer als Unterfahrbarkeit. Sie ermöglichen das Abstützen beim längeren Stehen. Viele Gehhilfen-Nutzer stellen ihren Rollator zur Seite und halten sich mit einer Hand am Griff fest, während die andere Hand die Zahnbürste hält.
Die Höhe des Waschtisches sollte zwischen 80 und 85 Zentimetern liegen. Das ist die Standardhöhe und für die meisten Menschen bequem. Zu niedrige Waschbecken zwingen zum Bücken, zu hohe sind schwer erreichbar.
Fazit: Gehhilfen brauchen weniger Platz als gedacht im Badezimmer
Ein Badezimmer Gehhilfe-freundlich zu gestalten ist einfacher und günstiger als ein rollstuhlgerechtes Bad. Die 120 Zentimeter Bewegungsflächen reichen aus (nicht 150 wie beim Rollstuhl), die 80 Zentimeter Türbreite ist für die meisten Gehhilfen ausreichend (nicht zwingend 90). Haltegriffe sind wichtiger als Unterfahrbarkeit, Stolperfallen beseitigen wichtiger als teure Umbauten.
Oft reichen Teilanpassungen statt Komplettsanierung. Ein Duschhocker für 100 Euro, eine Toilettensitzerhöhung für 80 Euro und fünf Haltegriffe für 1.500 Euro – schon ist das Bad deutlich sicherer. Die Pflegekasse zahlt bei Pflegegrad bis zu 4.180 Euro Zuschuss, die Krankenkasse übernimmt Hilfsmittel auf Rezept.
Wir von Pflege Panorama empfehlen: Starten Sie mit den einfachen Maßnahmen. Duschhocker und Toilettensitzerhöhung sind schnell besorgt. Haltegriffe montieren lassen. Stolperfallen beseitigen. Erst wenn das nicht reicht, über größere Umbauten nachdenken. So schaffen Sie ein sicheres Gehhilfe Badezimmer mit optimaler Mobilität Bad – und das ohne Vermögen auszugeben.
Die wichtigsten Fragen
Wie breit muss die Badtür für einen Rollator sein?
Mindestens 80 Zentimeter lichte Breite. Standard-Rollatoren (60 bis 65 cm breit) passen problemlos durch. XXL-Rollatoren (70 cm) brauchen idealerweise 85 bis 90 Zentimeter.
Kann ich mit Rollator über Schwellen?
Schwellen bis 2 Zentimeter sind nach Norm barrierefrei und gut überwindbar. Praktisch sind Schwellen bis 5 Zentimeter machbar, wenn Sie den Rollator kurz anheben. Ideal ist schwellenlos.