Eine Senioren WG ist für viele ältere Menschen die perfekte Mischung aus Eigenständigkeit und Gemeinschaft. Statt allein in der eigenen Wohnung zu sitzen oder ins Pflegeheim zu ziehen, teilen sich Bewohner einer Senioren-Wohngemeinschaft Küche, Wohnzimmer und Alltag. Die Kosten liegen zwischen 800 und 1.800 Euro monatlich. Damit ist diese Wohnform oft günstiger als eine Seniorenresidenz und deutlich persönlicher als ein Pflegeheim.
Wir von Pflege Panorama haben diesen umfassenden Ratgeber zusammengestellt, damit Sie alle Fakten rund um die Senioren Wohngemeinschaft auf einen Blick haben. Sie erfahren, welche Modelle es gibt, was eine WG für Senioren kostet, wie Sie selbst eine Senioren WG gründen und welche Erfahrungen andere Bewohner gemacht haben.
👥 Senioren WG 2026: Das Wichtigste auf einen Blick
| Merkmal | Details |
|---|---|
| 💶 Monatliche Kosten | 800–1.800 € |
| 👥 Bewohneranzahl | 6–12 Personen (typisch) |
| 🏠 Modelle |
Privat organisiert
Ambulant betreut
Trägergebunden
|
| 🩺 Pflegegrade möglich | Ja, alle Pflegegrade ✓ |
| 💰 Pflegekassen-Zuschüsse | 214 €/Monat + bis zu 2.500 € Anschub |
| 👤 Geeignet für | Selbstbestimmte Senioren, leichter bis mittlerer Pflegebedarf, Demenzerkrankte |
| ⏱️ Gründungsdauer | 6–18 Monate (je nach Organisation) |
Was ist eine Senioren WG?
Eine Senioren WG ist eine Wohngemeinschaft, in der ältere Menschen gemeinsam unter einem Dach leben. Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer als privaten Rückzugsort. Gemeinschaftsräume wie Küche, Wohnzimmer und oft auch ein Garten werden zusammen genutzt. Der entscheidende Unterschied zum Pflegeheim: Die Bewohner bestimmen selbst, wie ihr Alltag aussieht. Sie entscheiden gemeinsam über Mahlzeiten, Aktivitäten und die Organisation des Zusammenlebens.
Das Konzept der Senioren Wohngemeinschaft hat sich in den letzten zehn Jahren stark verbreitet. Bundesweit gibt es mittlerweile mehrere tausend Senioren-WGs mit steigender Tendenz. Der Grund ist einfach: Viele ältere Menschen wünschen sich weder die Einsamkeit des Alleinlebens noch die Anonymität großer Pflegeeinrichtungen. Eine WG für Senioren bietet genau das Mittelmaß zwischen diesen beiden Extremen.
Die rechtliche Grundlage unterscheidet sich je nach Bundesland. Für ambulant betreute Wohngemeinschaften gelten die jeweiligen Landesheimgesetze (Wohn- und Teilhabegesetze). Rein privat organisierte WGs fallen in der Regel nicht unter diese Regelungen, was den Bewohnern maximale Freiheit in der Gestaltung gibt.


Die drei Modelle einer Senioren WG
Nicht jede Senioren WG funktioniert gleich. Es gibt drei grundlegende Modelle, die sich in Organisation, Kosten und Eigenverantwortung deutlich unterscheiden. Die Wahl des richtigen Modells hängt von Ihrem Pflegebedarf, Ihrem Budget und Ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung ab.
Privat organisierte Senioren WG
Bei der privat organisierten Senioren Wohngemeinschaft schließen sich gleichgesinnte Menschen aus eigener Initiative zusammen. Sie suchen gemeinsam eine Wohnung oder ein Haus, teilen die Miete und organisieren den Alltag selbstständig. Es gibt keinen Träger und keinen festen Pflegedienst. Wenn einzelne Bewohner Pflege benötigen, beauftragen sie individuell einen ambulanten Pflegedienst.
Dieses Modell eignet sich besonders für rüstige Senioren, die noch keinen regelmäßigen Pflegebedarf haben. Die monatlichen Kosten liegen zwischen 800 und 1.200 Euro inklusive Miete, Nebenkosten und Haushaltsgeld. Der große Vorteil: maximale Selbstbestimmung. Die Bewohner entscheiden alles selbst. Der Nachteil: Es erfordert Eigeninitiative und Organisationstalent. Konflikte müssen die Bewohner ohne professionelle Moderation lösen.
Ambulant betreute Wohngemeinschaft
Die ambulant betreute Wohngemeinschaft ist das beliebteste Modell für Menschen mit Pflegebedarf. Hier leben in der Regel 6 bis 12 Personen zusammen und werden von einem ambulanten Pflegedienst versorgt. Die Bewohner oder ihre Angehörigen wählen den Pflegedienst gemeinsam aus. Eine Präsenzkraft ist tagsüber und oft auch nachts vor Ort und unterstützt bei Alltagsaufgaben, Körperpflege und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten.
Die Kosten für eine ambulant betreute Wohngemeinschaft liegen zwischen 1.200 und 1.800 Euro pro Monat. Darin enthalten sind Miete, Betreuungspauschale und Haushaltsgeld. Die Pflegekosten kommen je nach individuellem Pflegegrad hinzu, werden aber größtenteils von der Pflegekasse übernommen. Ein besonderer Vorteil dieses Modells: Die Pflegekasse zahlt einen Wohngruppenzuschlag von 214 Euro monatlich, der die Kosten spürbar senkt.
Dieses Modell eignet sich besonders für Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5 und ist auch für Demenzerkrankte hervorragend geeignet. Wer sich für das Thema Demenz-WG interessiert, findet in unserem Ratgeber vertiefende Informationen dazu.
Trägergebundene Senioren WG
Bei der trägergebundenen Senioren WG organisiert ein Wohlfahrtsverband, eine kirchliche Einrichtung oder ein privater Anbieter die Wohngemeinschaft. Der Träger stellt die Wohnung bereit, wählt die Bewohner aus und koordiniert die Pflege. Die Bewohner haben weniger Mitspracherecht als bei den anderen Modellen, profitieren aber von professioneller Organisation.
Die monatlichen Kosten liegen zwischen 1.400 und 1.800 Euro. Der Vorteil: Alles ist aus einer Hand organisiert. Der Nachteil: Die Selbstbestimmung der Bewohner ist eingeschränkter. In manchen Bundesländern unterliegen trägergebundene WGs strengeren gesetzlichen Auflagen, was die Abgrenzung zum klassischen Pflegeheim betrifft.
Senioren WG Kosten: Was Sie monatlich einplanen müssen
Die Senioren WG Kosten setzen sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Anders als im Pflegeheim, wo alles in einem Pauschalpreis enthalten ist, sehen Sie in der WG jeden einzelnen Posten. Das macht die Kosten transparent, erfordert aber auch eine sorgfältige Kalkulation.
Die einzelnen Kostenpositionen
Der größte Posten ist die Miete. In einer Senioren WG teilen sich die Bewohner eine große Wohnung oder ein Haus. Pro Person fallen je nach Region 350 bis 700 Euro Warmmiete an. In ländlichen Gebieten und ostdeutschen Bundesländern liegen die Mieten am unteren Ende, in Großstädten wie München, Hamburg oder Köln am oberen Ende.
Die Betreuungspauschale fällt bei ambulant betreuten WGs an. Sie deckt die Kosten für die Präsenzkraft und die Organisation der Wohngemeinschaft. Üblich sind 200 bis 500 Euro monatlich pro Bewohner. Das Haushaltsgeld für gemeinsame Einkäufe, Putz- und Waschmittel sowie Lebensmittel für gemeinsame Mahlzeiten liegt bei 150 bis 300 Euro pro Monat.
Dazu kommen die individuellen Pflegekosten. Diese richten sich nach dem Pflegegrad und dem gewählten Pflegedienst. Die gute Nachricht: Pflegesachleistungen der Pflegekasse decken einen großen Teil dieser Kosten ab. Bei Pflegegrad 3 erhalten Sie beispielsweise 1.432 Euro monatlich an Pflegesachleistungen, bei Pflegegrad 5 sind es 2.200 Euro.
Kostenvergleich nach Modell und Region
In Westdeutschland müssen Sie für eine privat organisierte Senioren WG mit 900 bis 1.200 Euro rechnen. Eine ambulant betreute WG kostet dort 1.300 bis 1.800 Euro. In Ostdeutschland liegen die Preise rund 20 bis 30 Prozent darunter: 700 bis 1.000 Euro für die private WG und 1.000 bis 1.400 Euro für die ambulant betreute Variante.
Zum Vergleich: Ein Platz im Pflegeheim kostet 2026 durchschnittlich 2.500 bis 3.500 Euro monatlich, wobei der Eigenanteil bei 1.800 bis 2.600 Euro liegt. Eine Seniorenresidenz schlägt mit 2.000 bis 5.000 Euro zu Buche. Die Senioren WG ist damit die günstigste Wohnform mit professioneller Betreuung. Einen detaillierten Vergleich aller Kosten finden Sie in unserem Ratgeber zu Seniorenresidenz-Kosten.
Zuschüsse und Finanzierungshilfen
Die Pflegekasse unterstützt das Leben in einer Senioren Wohngemeinschaft mit mehreren Leistungen. Der Wohngruppenzuschlag nach Paragraph 38a SGB XI beträgt 214 Euro monatlich. Voraussetzung: Mindestens drei Bewohner mit Pflegegrad leben zusammen, und eine gemeinschaftlich beauftragte Präsenzkraft unterstützt bei der Alltagsgestaltung.
Zusätzlich gibt es eine Anschubfinanzierung für die Gründung einer ambulant betreuten WG. Jeder Bewohner mit Pflegegrad kann einmalig bis zu 2.500 Euro für die altersgerechte Umgestaltung der Wohnung erhalten. Pro Wohngemeinschaft ist dieser Zuschuss auf 10.000 Euro gedeckelt. Darüber hinaus stehen die regulären Pflegeleistungen zur Verfügung: Pflegegeld oder Pflegesachleistungen, Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich, Zuschüsse für Pflegehilfsmittel bis 40 Euro pro Monat und Wohnumfeldverbesserungen bis 4.000 Euro je Maßnahme.


Senioren WG gründen: Schritt für Schritt
Wer eine eigene Senioren WG gründen möchte, braucht Geduld, Organisationstalent und klare Vorstellungen. Der Prozess dauert in der Regel 6 bis 18 Monate. Mit einer strukturierten Vorgehensweise schaffen Sie eine solide Grundlage für ein funktionierendes Zusammenleben.
Mitbewohner finden
Der erste und wichtigste Schritt: Finden Sie Gleichgesinnte. Sprechen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis, wenden Sie sich an Seniorenbüros, Kirchengemeinden oder lokale Vereine. Viele Kommunen haben inzwischen Beratungsstellen für gemeinschaftliches Wohnen im Alter. Online-Plattformen und regionale Netzwerke erleichtern die Suche ebenfalls.
Nehmen Sie sich Zeit für das gegenseitige Kennenlernen. Vereinbaren Sie mehrere Treffen, sprechen Sie offen über Erwartungen, Gewohnheiten und mögliche Konfliktpunkte. Klären Sie grundlegende Fragen vorab: Wie stehen die potenziellen Mitbewohner zu Haustieren? Wie sieht es mit Rauchen aus? Welche Vorstellungen gibt es zu Sauberkeit und Ordnung? Diese Gespräche sind entscheidend, denn spätere Konflikte über Alltagsthemen sind der häufigste Grund, warum Senioren-WGs scheitern.
Die passende Immobilie finden
Eine Senioren WG braucht eine Immobilie, die bestimmte Anforderungen erfüllt. Jeder Bewohner benötigt ein eigenes Zimmer von mindestens 14 Quadratmetern. Die Gemeinschaftsräume (Küche, Wohnzimmer, Bäder) müssen für die gesamte Gruppe ausreichend dimensioniert sein. Barrierefreiheit ist keine Pflicht, aber dringend empfehlenswert: breite Türen, bodengleiche Duschen, keine Stufen.
Für eine ambulant betreute WG mit 8 Bewohnern rechnen Sie mit einer Gesamtfläche von 200 bis 300 Quadratmetern. Die Lage sollte eine gute Anbindung an Ärzte, Apotheken und Einkaufsmöglichkeiten bieten. Prüfen Sie auch die baurechtlichen Voraussetzungen: In manchen Kommunen müssen Wohngemeinschaften im Bebauungsplan als „Wohnnutzung“ zulässig sein.
Rechtliche Rahmenbedingungen klären
Die rechtlichen Anforderungen variieren je nach Bundesland und WG-Modell erheblich. In den meisten Bundesländern gelten ambulant betreute Wohngemeinschaften nicht als Heime, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Die genauen Regelungen finden sich in den jeweiligen Landesheimgesetzen (zum Beispiel Wohn- und Teilhabegesetz NRW, Bayerisches Pflege- und Wohnqualitätsgesetz, Wohnteilhabegesetz Berlin).
Typische Voraussetzungen für die Abgrenzung zum Heim: Die Bewohner oder ihre Angehörigen müssen den Pflegedienst selbst wählen können. Die WG darf nicht von einem einzelnen Pflegedienst dominiert werden. Die Bewohner müssen ein Mitspracherecht bei der Gestaltung des Alltags haben. Lassen Sie sich unbedingt von einer Fachberatungsstelle für ambulant betreute Wohngemeinschaften beraten. Diese Stellen gibt es in vielen Kommunen und Landkreisen kostenfrei.
Finanzierung und Verträge regeln
Erstellen Sie einen detaillierten Finanzplan. Kalkulieren Sie Miete, Nebenkosten, Betreuungspauschale, Haushaltsgeld und einen Rücklagenfonds für unvorhergesehene Ausgaben. Klären Sie, wer den Mietvertrag unterschreibt. Es gibt zwei Varianten: Entweder schließt jeder Bewohner einen eigenen Mietvertrag ab, oder ein Trägerverein (oft eigens gegründet) mietet die Immobilie und vergibt Untermietverträge.
Regeln Sie das Zusammenleben in einer schriftlichen Vereinbarung. Diese sollte Hausordnung, Kostenverteilung, Kündigungsfristen, Aufnahme neuer Bewohner und die Entscheidungsfindung bei Konflikten umfassen. Eine professionelle Beratung bei der Vertragsgestaltung kostet zwar etwas, spart aber langfristig viel Ärger.
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Alltag in einer Senioren WG: So sieht das Zusammenleben aus
Der Alltag in einer Senioren WG unterscheidet sich grundlegend vom Alltag in einem Pflegeheim. Es gibt keinen festen Stundenplan, keinen Schichtbetrieb und keine vorgegebenen Essenszeiten. Stattdessen gestalten die Bewohner ihren Tag weitgehend selbst.
Ein typischer Tag in einer ambulant betreuten Senioren Wohngemeinschaft beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück, das die Präsenzkraft vorbereitet. Wer lieber allein frühstückt, kann das in seinem Zimmer tun. Am Vormittag gibt es je nach Bedarf Unterstützung bei der Körperpflege durch den ambulanten Pflegedienst. Danach stehen gemeinsame Aktivitäten auf dem Programm: Kochen, Gartenarbeit, Spiele oder Spaziergänge. Das Mittagessen wird oft gemeinsam zubereitet. Nachmittags ist Raum für individuelle Beschäftigungen, Besuch von Angehörigen oder Ausflüge.
Die Stimmung in einer funktionierenden WG ist familiär. Bewohner schauen nacheinander, unterhalten sich beim Kaffeetrinken und feiern Geburtstage zusammen. Gleichzeitig hat jeder die Möglichkeit, sich in sein Zimmer zurückzuziehen. Diese Balance zwischen Gemeinschaft und Privatsphäre ist das, was viele Bewohner am meisten schätzen.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Unterschiedliche Gewohnheiten, Lautstärkeempfinden oder Sauberkeitsvorstellungen können zu Reibungen führen. In ambulant betreuten WGs moderiert die Präsenzkraft bei kleineren Konflikten. Regelmäßige Bewohnerversammlungen helfen, Probleme frühzeitig anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Senioren WG im Vergleich: Welche Wohnform passt zu Ihnen?
Die Senioren WG ist nur eine von mehreren Wohnformen im Alter. Ob sie die richtige Wahl ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Wir stellen die wichtigsten Alternativen gegenüber.
Im Vergleich zur eigenen Wohnung bietet die Senioren Wohngemeinschaft mehr soziale Kontakte und gegenseitige Unterstützung. Dafür müssen Sie Kompromisse beim Zusammenleben eingehen. Wer absolut unabhängig bleiben möchte und keinen Pflegebedarf hat, ist in der eigenen Wohnung (eventuell mit ambulantem Pflegedienst) möglicherweise besser aufgehoben.
Das betreute Wohnen in einer Seniorenwohnanlage bietet eine eigene Wohnung mit optionalen Serviceleistungen. Es ist teurer als die Senioren-WG (1.500 bis 3.500 Euro monatlich), bietet aber mehr Privatsphäre. Die Gemeinschaft entsteht hier eher nebenbei, etwa im Gemeinschaftsraum oder bei organisierten Veranstaltungen. Das betreute Wohnen eignet sich für Menschen, die Sicherheit wünschen, aber keine enge Gemeinschaft brauchen.
Das Pflegeheim ist die richtige Wahl bei schwerem Pflegebedarf, der eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch Fachpersonal erfordert. Es ist die teuerste Option (Eigenanteil 1.800 bis 2.600 Euro), bietet aber die höchste pflegerische Absicherung. Einen ausführlichen Vergleich aller Wohnformen finden Sie in unserem separaten Ratgeber.
Mehr erfahren: Wohnformen im Alter: Alle Optionen im Vergleich (/ratgeber/wohnformen-im-alter-vergleich-optionen/)
Wer zwischen Pflegeheim und Seniorenresidenz schwankt, findet in unserem Vergleichsartikel eine detaillierte Entscheidungshilfe.
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Senioren WG Erfahrungen: Vorteile und Nachteile
Die Senioren WG Erfahrungen von Bewohnern und Angehörigen zeigen ein differenziertes Bild. Wir haben die wichtigsten Aspekte zusammengefasst.
Vorteile einer Senioren WG
Der größte Vorteil ist das Gemeinschaftsgefühl. Einsamkeit im Alter ist ein massives Problem in Deutschland. Rund 1,5 Millionen Menschen über 80 leben allein und haben kaum soziale Kontakte. In einer WG für Senioren ist immer jemand da. Gespräche entstehen von selbst, beim Kochen, beim Essen oder beim Fernsehen am Abend.
Die Selbstbestimmung bleibt erhalten. Anders als im Pflegeheim entscheiden die Bewohner selbst über ihren Tagesablauf, ihre Mahlzeiten und ihre Freizeitgestaltung. Es gibt keine vorgegebenen Aufstehzeiten und keinen festen Speiseplan. Wer um 10 Uhr frühstücken möchte, kann das tun. Wer abends Pizza bestellen will, kann auch das.
Die Kosten sind vergleichsweise gering. Durch das Teilen von Miete und Betreuungspauschale zahlen Bewohner einer Senioren WG deutlich weniger als in einer Seniorenresidenz oder einem Pflegeheim. Der Wohngruppenzuschlag der Pflegekasse senkt die Kosten zusätzlich.
Die individuelle Pflege ist ein weiterer Pluspunkt. In einer ambulant betreuten WG kommt der Pflegedienst zu festen Zeiten und kümmert sich gezielt um die einzelnen Bewohner. Das Betreuungsverhältnis ist in der Regel besser als im Pflegeheim, wo eine Pflegekraft oft 10 bis 15 Bewohner gleichzeitig versorgen muss.
Nachteile einer Senioren WG
Das Zusammenleben erfordert Kompromissbereitschaft. Nicht jeder Mensch ist für eine Wohngemeinschaft gemacht. Wer ein starkes Bedürfnis nach Privatsphäre hat oder Schwierigkeiten mit sozialer Nähe, wird sich in einer WG möglicherweise unwohl fühlen.
Konflikte sind unvermeidlich. Unterschiedliche Persönlichkeiten, Gewohnheiten und Bedürfnisse führen zwangsläufig zu Reibungspunkten. Ohne eine gute Konfliktkultur und bei ambulant betreuten WGs ohne eine erfahrene Präsenzkraft können sich Spannungen aufschaukeln.
Die pflegerische Versorgung hat Grenzen. Bei sehr schwerer Pflegebedürftigkeit, besonders wenn nachts regelmäßig medizinische Versorgung nötig ist, stößt die ambulante Betreuung in der WG an ihre Grenzen. In solchen Fällen kann ein Umzug ins Pflegeheim notwendig werden.
Die Verfügbarkeit ist regional sehr unterschiedlich. In Großstädten gibt es inzwischen ein gutes Angebot an Senioren-WGs. Auf dem Land sind die Möglichkeiten oft noch begrenzt. Wer keine passende WG in der Nähe findet, muss entweder selbst gründen oder umziehen.


Für wen eignet sich eine Senioren WG?
Eine Senioren WG ist nicht für jeden die richtige Wahl. Sie eignet sich besonders für bestimmte Personengruppen.
Gesellige Menschen, die den Austausch mit anderen schätzen, fühlen sich in einer WG am wohlsten. Wer gerne gemeinsam kocht, über den Gartenzaun plaudert und abends in Gesellschaft fernsieht, findet hier das ideale Umfeld. Die Senioren Wohngemeinschaft lebt von der aktiven Teilnahme ihrer Bewohner.
Menschen mit leichtem bis mittlerem Pflegebedarf (Pflegegrad 1 bis 3) profitieren besonders von der ambulant betreuten Variante. Die Betreuung ist eng genug, um den Alltag zu unterstützen, aber nicht so dominant, dass die Eigenständigkeit verloren geht. Auch für Demenzerkrankte in frühen bis mittleren Stadien haben sich spezialisierte Demenz-WGs als hervorragende Wohnform etabliert.
Senioren mit begrenztem Budget finden in der WG eine bezahlbare Alternative zu Seniorenresidenz und Pflegeheim. Gerade der Wohngruppenzuschlag und die geteilten Fixkosten machen das Modell finanziell attraktiv.
Weniger geeignet ist die Senioren WG für Menschen, die absolute Unabhängigkeit bevorzugen, bei schwerer Pflegebedürftigkeit mit Bedarf an ständiger medizinisch-pflegerischer Versorgung oder für Personen, die grundsätzlich Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen haben.
Fazit: Senioren WG als Wohnform der Zukunft
Die Senioren WG verbindet das Beste aus zwei Welten: die Eigenständigkeit des eigenen Zuhauses mit der Sicherheit und Gemeinschaft einer Betreuungseinrichtung. Mit Kosten zwischen 800 und 1.800 Euro monatlich ist sie deutlich günstiger als ein Pflegeheim oder eine Seniorenresidenz. Die Zuschüsse der Pflegekasse (Wohngruppenzuschlag, Anschubfinanzierung) machen das Modell noch attraktiver.
Ob Sie eine bestehende WG suchen oder selbst eine Senioren WG gründen möchten: Die Nachfrage steigt, und das Angebot wächst mit. Wer frühzeitig plant, findet die passende Gemeinschaft für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Wir von Pflege Panorama unterstützen Sie dabei, die richtige Wohnform für Ihre individuelle Situation zu finden. Vergleichen Sie Ihre Optionen und lassen Sie sich beraten, denn die Entscheidung für die richtige Senioren WG ist eine Entscheidung für mehr Lebensqualität.


Die wichtigsten Fragen
Was kostet eine Senioren WG im Monat?
Die monatlichen Kosten einer Senioren WG liegen je nach Modell und Region zwischen 800 und 1.800 Euro. Eine privat organisierte WG kostet 800 bis 1.200 Euro, eine ambulant betreute Wohngemeinschaft 1.200 bis 1.800 Euro. Die individuellen Pflegekosten kommen hinzu, werden aber größtenteils von der Pflegekasse übernommen. Der Wohngruppenzuschlag von 214 Euro monatlich reduziert die Kosten zusätzlich.
Wie gründe ich eine Senioren WG?
Um eine Senioren WG zu gründen, suchen Sie zunächst Gleichgesinnte über Seniorenbüros, Kirchengemeinden oder lokale Netzwerke. Finden Sie gemeinsam eine geeignete Immobilie mit barrierefreien Räumlichkeiten. Klären Sie die rechtlichen Rahmenbedingungen (Landesheimgesetz) und erstellen Sie einen detaillierten Finanzplan. Regeln Sie das Zusammenleben in einer schriftlichen Vereinbarung. Lassen Sie sich von einer Fachberatungsstelle für gemeinschaftliches Wohnen im Alter unterstützen. Der gesamte Gründungsprozess dauert typischerweise 6 bis 18 Monate.
Zahlt die Pflegekasse Zuschüsse für eine Senioren WG?
Ja. Die Pflegekasse zahlt einen Wohngruppenzuschlag von 214 Euro monatlich pro Bewohner (Paragraph 38a SGB XI). Voraussetzung: Mindestens drei Bewohner mit Pflegegrad leben zusammen, und es gibt eine gemeinschaftlich beauftragte Präsenzkraft. Zusätzlich gibt es eine Anschubfinanzierung von bis zu 2.500 Euro pro Bewohner (maximal 10.000 Euro pro WG) für die altersgerechte Umgestaltung der Wohnung.