Wer für sich oder einen Angehörigen Unterstützung bei der Pflege sucht, stößt schnell auf eine zentrale Frage: Wo bekomme ich neutrale und kostenlose Hilfe? Die Antwort lautet in den meisten Fällen: beim Pflegestützpunkt finden Sie genau diese Anlaufstelle. Wir von Pflege Panorama erklären Ihnen in diesem Ratgeber, was ein Pflegestützpunkt ist, welche Leistungen er bietet, wie Sie den nächsten Standort in Ihrer Nähe finden und was Sie beim ersten Besuch erwartet. Außerdem klären wir den wichtigen Unterschied zur Pflegeberatung nach § 7a SGB XI, damit Sie wissen, welches Angebot für Ihre Situation das richtige ist.
📍 Pflegestützpunkt finden: Das Wichtigste auf einen Blick
| 🏛️ Was ist das? | Kostenlose, unabhängige Beratungsstelle für alle Pflegefragen |
| 👥 Träger | Pflege-/Krankenkassen + Kommune gemeinsam |
| 📜 Rechtsgrundlage | § 7c SGB XI |
| 👤 Wer darf hin? | Pflegebedürftige, Angehörige, Interessierte – ALLE! |
Was ist ein Pflegestützpunkt?
Ein Pflegestützpunkt ist eine wohnortnahe Beratungsstelle, die pflegebedürftige Menschen, deren Angehörige und alle Interessierten kostenlos und unabhängig berät. Die gesetzliche Grundlage bildet § 7c SGB XI. Pflegestützpunkte werden gemeinsam von den Pflege- und Krankenkassen sowie den Kommunen getragen. Diese Struktur sorgt dafür, dass die Beratung nicht an den Interessen eines einzelnen Trägers ausgerichtet ist, sondern das gesamte Spektrum der regionalen Hilfsangebote abdeckt.
Die Idee hinter den Pflegestützpunkten ist einfach: Pflege ist komplex, und die meisten Menschen stehen bei Eintritt eines Pflegefalls zum ersten Mal vor dieser Situation. Es gibt Leistungen der Pflegekasse, Angebote der Kommune, Zuschüsse für Umbaumaßnahmen, Entlastungsleistungen, Verhinderungspflege und vieles mehr. Ohne professionelle Orientierung bleibt ein erheblicher Teil dieser Hilfen ungenutzt. Genau hier setzen die Pflegestützpunkte an: Sie bündeln alle Informationen an einem Ort und helfen dabei, den individuell besten Weg durch das System zu finden.
Bundesweit gibt es aktuell rund 600 Pflegestützpunkte. Die Verteilung ist allerdings nicht gleichmäßig. In einigen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz, Berlin und Nordrhein-Westfalen ist das Netz dicht geknüpft. In anderen Bundesländern wie Sachsen oder Thüringen gibt es deutlich weniger Standorte, sodass hier oft die Pflegeberatung der Pflegekassen die Hauptanlaufstelle bildet. Ob es in Ihrer Nähe einen Pflegestützpunkt gibt, können Sie mit den Suchtools herausfinden, die wir weiter unten vorstellen.
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Welche Leistungen bietet ein Pflegestützpunkt?
Die Beratung im Pflegestützpunkt ist umfassend und deckt nahezu alle Fragen ab, die rund um Pflege und Versorgung aufkommen. Dabei ist es ausdrücklich nicht erforderlich, dass bereits ein Pflegegrad vorliegt. Auch wer sich vorsorglich informieren möchte oder gerade erst merkt, dass ein Angehöriger zunehmend Unterstützung braucht, ist dort richtig.
Hilfe beim Pflegegrad und bei Anträgen
Eine der häufigsten Fragen, mit denen Menschen in den Pflegestützpunkt kommen, betrifft den Pflegegrad. Die Beraterinnen und Berater erklären Ihnen, wie Sie einen Pflegegrad beantragen, welche Unterlagen Sie benötigen und wie Sie sich auf die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst vorbereiten. Sie helfen auch bei Widersprüchen, wenn ein Antrag abgelehnt wurde oder der zuerkannte Pflegegrad zu niedrig erscheint.
Darüber hinaus unterstützt der Pflegestützpunkt beim Ausfüllen von Anträgen für Leistungen der Pflegeversicherung. Dazu gehören Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Tages- und Nachtpflege, Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen und Pflegehilfsmittel. Die Berater wissen, welche Formulare notwendig sind und welche Fristen einzuhalten sind.
Vermittlung regionaler Angebote
Ein großer Vorteil des Pflegestützpunkts gegenüber einer telefonischen Beratung durch die Pflegekasse ist die Kenntnis der regionalen Versorgungslandschaft. Die Berater kennen die ambulanten Pflegedienste in der Umgebung, die Tagespflegeeinrichtungen, die Angebote zur Unterstützung im Alltag, ehrenamtliche Besuchsdienste, Selbsthilfegruppen und Betreuungsangebote. Wenn Sie einen ambulanten Pflegedienst finden möchten, ist der Pflegestützpunkt eine ideale Anlaufstelle.
Diese Vernetzung ist besonders wertvoll, weil viele Angebote vor Ort existieren, die kaum bekannt sind. Kommunale Zuschüsse, ehrenamtliche Einkaufshilfen oder Seniorentreffs werden oft nur über persönliche Empfehlung weitergegeben. Im Pflegestützpunkt fließen diese Informationen zusammen.
Beratung zur Finanzierung
Pflege kostet Geld, und die Frage, wie sich alles finanzieren lässt, treibt die meisten Familien um. Im Pflegestützpunkt erhalten Sie eine Übersicht über alle Leistungsansprüche und erfahren, wie Sie diese kombinieren können. Wenn Sie sich fragen, wie Sie die Pflege finanzieren können, ohne dass das gesamte Ersparte aufgebraucht wird, bekommen Sie hier konkrete Antworten.
Die Berater erklären auch, wann das Sozialamt als Kostenträger einspringt, welche Einkommens- und Vermögensgrenzen gelten und welche Rolle die seit 2020 geltenden Entlastungen beim Elternunterhalt spielen. Seit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz müssen Kinder erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von 100.000 Euro für die Pflegekosten ihrer Eltern aufkommen. Auch diese Zusammenhänge werden im Pflegestützpunkt verständlich erklärt.
Unterstützung für pflegende Angehörige
Die Pflegestützpunkte sind nicht nur für die pflegebedürftige Person selbst da, sondern ausdrücklich auch für pflegende Angehörige. Sie beraten zu Entlastungsangeboten wie Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege, zu Schulungskursen für häusliche Pflege und zu psychosozialen Hilfsangeboten. Wer selbst pflegt, darf seine eigene Belastungsgrenze nicht aus den Augen verlieren. Im Pflegestützpunkt wird dieses Thema ernst genommen, und die Berater vermitteln bei Bedarf auch Kontakte zu Beratungsstellen für pflegende Angehörige.
So finden Sie den nächsten Pflegestützpunkt
Es gibt mehrere Wege, um einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe zu finden. Keiner davon ist kompliziert. Wir stellen Ihnen die drei gängigsten Methoden vor, damit Sie sofort loslegen können.
Online-Datenbanken nutzen
Der schnellste Weg führt über das Internet. Die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) betreibt eine bundesweite Datenbank, in der alle Pflegestützpunkte mit Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten verzeichnet sind. Sie geben einfach Ihre Postleitzahl oder Ihren Wohnort ein und erhalten eine Liste der nächstgelegenen Standorte. Die Datenbank ist kostenlos und ohne Registrierung nutzbar.
Eine weitere hilfreiche Quelle ist der Pflegenavigator der AOK, der ebenfalls eine Suchfunktion nach Pflegestützpunkten anbietet. Auch der Pflegelotse des vdek (Verband der Ersatzkassen) enthält eine Suchfunktion. Alle drei Portale sind kostenlos und liefern in der Regel aktuelle Daten. Wir empfehlen, bei Bedarf die Telefonnummer des gefundenen Pflegestützpunkts direkt anzurufen, um die Öffnungszeiten zu bestätigen und bei Bedarf einen Termin zu vereinbaren.
Krankenkasse kontaktieren
Wenn Sie nicht online suchen möchten oder sich unsicher sind, können Sie einfach bei Ihrer Krankenkasse anrufen. Jede Pflegekasse ist gesetzlich verpflichtet, Ihnen einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe zu benennen oder Sie alternativ an ihre eigene Pflegeberatung nach § 7a SGB XI zu vermitteln. Rufen Sie die Service-Hotline Ihrer Krankenkasse an und fragen Sie gezielt nach dem nächsten Pflegestützpunkt. In vielen Fällen können die Mitarbeitenden Ihnen direkt die Adresse und Telefonnummer nennen.
Einige Krankenkassen haben sogar eigene Beraterinnen und Berater, die in den Pflegestützpunkten vor Ort tätig sind. Die Grenzen zwischen der Pflegeberatung der Kasse und dem Pflegestützpunkt verschwimmen also teilweise. Für Sie als Ratsuchende ändert das nichts: Die Beratung bleibt kostenlos und unverbindlich.
Kommune und Rathaus fragen
Der dritte Weg führt über die Kommune. Da die Pflegestützpunkte gemeinsam von Kassen und Kommunen getragen werden, kennt auch Ihre Stadtverwaltung oder Ihr Landratsamt die Anlaufstellen. Viele Kommunen betreiben eigene Seniorenberatungsstellen, die entweder selbst als Pflegestützpunkt fungieren oder eng mit einem solchen zusammenarbeiten. Fragen Sie im Bürgerbüro, beim Sozialamt oder bei der Seniorenberatung nach. In ländlichen Regionen, wo der nächste Pflegestützpunkt weiter entfernt liegt, kann die Kommune oft auch alternative Beratungsangebote vor Ort vermitteln.
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Der Unterschied: Pflegestützpunkt vs. Pflegeberatung nach § 7a SGB XI
Viele Menschen verwechseln den Pflegestützpunkt mit der Pflegeberatung nach § 7a SGB XI. Beide Angebote sind kostenlos, aber sie unterscheiden sich in einigen wichtigen Punkten. Diesen Unterschied zu verstehen, hilft Ihnen dabei, das richtige Angebot für Ihre Situation auszuwählen.
Die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI ist ein individueller Rechtsanspruch. Sobald Sie einen Pflegegrad beantragt haben oder bereits einen Pflegegrad besitzen, hat Ihre Pflegekasse die Pflicht, Ihnen innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung einen konkreten Beratungstermin anzubieten. Bei dieser Beratung wird ein individueller Versorgungsplan erstellt, der Ihre persönliche Situation, Ihren Hilfebedarf und die in Frage kommenden Leistungen zusammenfasst. Die Pflegekasse muss diesen Plan regelmäßig überprüfen und anpassen.
Der Pflegestützpunkt hingegen ist eine allgemeine Anlaufstelle, die keine formale Antragstellung voraussetzt. Er berät breiter und kennt das regionale Netzwerk oft besser als eine Pflegeberaterin, die telefonisch von einer Zentrale aus arbeitet. Dafür erstellt der Pflegestützpunkt keinen verpflichtenden individuellen Versorgungsplan.
In der Praxis ergänzen sich beide Angebote hervorragend. Viele Menschen gehen zuerst in den Pflegestützpunkt, um sich einen allgemeinen Überblick zu verschaffen. Sobald ein Pflegegrad beantragt oder erteilt wird, nutzen sie zusätzlich die Pflegeberatung nach § 7a, um einen detaillierten Versorgungsplan zu erhalten. Beide Wege sind kostenlos, und niemand hindert Sie daran, beide parallel zu nutzen.
Was erwartet Sie beim ersten Besuch?
Der erste Besuch im Pflegestützpunkt ist unkomplizierter, als viele denken. In den meisten Pflegestützpunkten können Sie ohne Termin zu den Öffnungszeiten vorbeigehen. Wir empfehlen aber, vorher anzurufen und einen Termin zu vereinbaren. So stellen Sie sicher, dass sich eine Beraterin oder ein Berater ausreichend Zeit für Ihr Anliegen nehmen kann. Ein Erstgespräch dauert in der Regel 30 bis 60 Minuten.
So bereiten Sie sich vor
Bringen Sie zum Erstgespräch alle Unterlagen mit, die Sie bereits haben. Dazu gehören der Bescheid über einen bestehenden Pflegegrad, falls vorhanden, Arztbriefe und Befunde, eine aktuelle Medikamentenliste, der Rentenbescheid oder Einkommensnachweise, falls finanzielle Fragen besprochen werden sollen, sowie eine Übersicht über bereits genutzte Pflegeleistungen. Wenn Sie noch gar keine Unterlagen haben, ist das kein Problem. Die Berater stellen Ihnen gezielte Fragen und finden gemeinsam mit Ihnen heraus, welche Schritte als Nächstes sinnvoll sind.
Notieren Sie sich vorab Ihre wichtigsten Fragen. Viele Menschen haben im Gespräch so viele neue Informationen zu verarbeiten, dass sie ihre eigentlichen Anliegen vergessen. Eine kurze Liste hilft dabei, nichts Wichtiges auszulassen.
Der Ablauf des Erstgesprächs
Die Beraterin oder der Berater wird zunächst Ihre Situation erfassen. Wer ist pflegebedürftig? Welche Einschränkungen liegen vor? Gibt es bereits einen Pflegegrad? Wer kümmert sich aktuell um die Versorgung? Leben Sie allein oder mit Angehörigen zusammen? Diese Fragen dienen dazu, sich ein vollständiges Bild zu machen.
Anschließend erhalten Sie eine erste Einschätzung, welche Leistungen und Hilfsangebote für Ihre Situation in Frage kommen. Die Beratung ist dabei immer auf Ihre individuelle Lage zugeschnitten. Es werden keine standardisierten Checklisten abgearbeitet, sondern die Beraterin geht auf genau die Punkte ein, die für Sie relevant sind. Wenn beispielsweise die Frage im Raum steht, wie hoch die Kosten für einen Pflegedienst pro Stunde sind und ob Ihre Pflegekasse diese übernimmt, erhalten Sie hier eine konkrete Antwort.
Am Ende des Gesprächs bekommen Sie in der Regel eine Zusammenfassung der besprochenen Punkte und Empfehlungen für die nächsten Schritte. Viele Pflegestützpunkte geben auch Informationsblätter, Broschüren und Kontaktlisten mit. Und: Sie können jederzeit wiederkommen. Es gibt keine Begrenzung der Beratungsgespräche.
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In welchen Bundesländern gibt es Pflegestützpunkte?
Die Errichtung von Pflegestützpunkten ist Ländersache. Das bedeutet, dass die Bundesländer selbst entscheiden, ob und wie viele Pflegestützpunkte sie einrichten. Diese Entscheidung wird gemeinsam mit den Landesverbänden der Pflegekassen und den Kommunen getroffen. Das führt zu erheblichen Unterschieden in der Versorgungsdichte.
Rheinland-Pfalz war das erste Bundesland, das ein flächendeckendes Netz aufgebaut hat. Dort gibt es in nahezu jeder Stadt und jedem Landkreis mindestens einen Pflegestützpunkt. Auch Berlin, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen verfügen über ein dichtes Netz. In Baden-Württemberg heißen die vergleichbaren Einrichtungen „Pflegestützpunkte“ oder „Seniorenberatungsstellen“, je nach Kommune. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist das Angebot dünner, was historisch gewachsen ist und damit zusammenhängt, dass dort andere Beratungsstrukturen über die Pflegekassen aufgebaut wurden.
Wenn es in Ihrer Region keinen Pflegestützpunkt gibt, ist das kein Grund zur Sorge. Die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI steht Ihnen bundesweit zur Verfügung. Sie können diese über Ihre Pflegekasse in Anspruch nehmen, auch als Hausbesuch. Darüber hinaus bieten viele Kommunen eigene Seniorenberatungen an, die ähnliche Aufgaben wie ein Pflegestützpunkt übernehmen.
Häufige Missverständnisse über Pflegestützpunkte
Rund um das Thema Pflegestützpunkte gibt es einige Irrtümer, die immer wieder auftauchen. Wir räumen mit den häufigsten auf.
Man braucht einen Pflegegrad, um beraten zu werden
Das stimmt nicht. Pflegestützpunkte beraten alle Menschen, die Fragen zum Thema Pflege haben. Sie müssen keinen Pflegegrad besitzen und keinen Antrag gestellt haben. Auch präventive Beratung ist ausdrücklich vorgesehen. Wenn Sie beispielsweise Ihr Zuhause altersgerecht umbauen möchten oder wissen wollen, welche Vorsorgevollmachten sinnvoll sind, sind Sie im Pflegestützpunkt richtig.
Der Pflegestützpunkt verkauft etwas
Pflegestützpunkte sind keine kommerziellen Einrichtungen und verkaufen keine Produkte oder Dienstleistungen. Sie erhalten dort keine Angebote von bestimmten Pflegediensten oder Pflegeheimen. Die Beratung ist neutral und trägerübergreifend. Wenn Ihnen ein bestimmter Pflegedienst oder ein bestimmtes Heim empfohlen wird, dann deshalb, weil es zur Situation passt, nicht weil ein Vertrag mit dem Pflegestützpunkt besteht.
Die Beratung ersetzt den Kontakt zur Pflegekasse
Das tut sie nicht. Der Pflegestützpunkt kann vieles erklären, vermitteln und bei Anträgen helfen. Aber bestimmte Leistungen müssen Sie direkt bei Ihrer Pflegekasse beantragen. Der Pflegestützpunkt kann den Antrag nicht für Sie stellen. Er kann Ihnen aber zeigen, wie der Antrag funktioniert, welche Formulierungen sinnvoll sind und welche Fristen gelten.
Pflegestützpunkt oder private Pflegeberatung: Wann lohnt sich was?
Neben den Pflegestützpunkten und der Pflegeberatung nach § 7a gibt es auch private Pflegeberater, die ihre Dienste kostenpflichtig anbieten. Das wirft die Frage auf: Lohnt sich eine kostenpflichtige Beratung, wenn es kostenlose Alternativen gibt?
In den meisten Fällen reicht die kostenlose Beratung im Pflegestützpunkt völlig aus. Dort sitzen qualifizierte Pflegeberaterinnen und Pflegeberater, die regelmäßig geschult werden und die aktuelle Rechtslage kennen. Für Standardfragen wie die Beantragung eines Pflegegrades, die Suche nach einem Pflegedienst oder die Klärung von Leistungsansprüchen brauchen Sie keine private Beratung.
Eine kostenpflichtige private Pflegeberatung kann dann sinnvoll sein, wenn Ihre Situation besonders komplex ist und Sie eine intensive Einzelfallbegleitung über einen längeren Zeitraum benötigen. Das kann beispielsweise bei einem Widerspruchsverfahren gegen die Pflegekasse der Fall sein, bei einem schwierigen familiären Umfeld oder wenn mehrere Kostenträger gleichzeitig beteiligt sind. Auch wer eine unabhängige Zweitmeinung zur Begutachtung durch den Medizinischen Dienst wünscht, greift manchmal auf private Berater zurück. Die Kosten liegen je nach Anbieter zwischen 50 und 150 Euro pro Stunde.
Unser Rat: Gehen Sie immer zuerst in den Pflegestützpunkt. Dort erhalten Sie eine fundierte Ersteinschätzung und erfahren, ob Ihre Situation tatsächlich so komplex ist, dass eine zusätzliche private Beratung Mehrwert bieten würde. In den allermeisten Fällen können die Beraterinnen und Berater im Pflegestützpunkt alle Ihre Fragen beantworten.
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Telefonische und digitale Beratungsangebote
Nicht jeder kann oder möchte persönlich in einen Pflegestützpunkt gehen. Für diese Fälle gibt es ergänzende Beratungsangebote, die telefonisch oder digital funktionieren.
Das Pflegetelefon des Bundesministeriums für Gesundheit ist unter der Nummer 030 340 60 66-02 erreichbar und bietet eine erste Orientierung zu Pflegefragen. Es ersetzt zwar nicht die individuelle Beratung im Pflegestützpunkt, kann aber eine gute erste Anlaufstelle sein, wenn Sie schnell eine Auskunft benötigen.
Viele Pflegekassen bieten zudem Video-Beratungen an, die seit der Corona-Pandemie deutlich ausgebaut wurden. Fragen Sie bei Ihrer Pflegekasse nach, ob eine Pflegeberatung nach § 7a auch per Videocall möglich ist. Einige Pflegestützpunkte haben dieses Angebot ebenfalls eingeführt, insbesondere in ländlichen Regionen mit weiten Anfahrtswegen.
Darüber hinaus gibt es Online-Portale und Ratgeber-Seiten, die Pflegeinformationen bündeln. Diese können eine gute Ergänzung sein, ersetzen aber nicht die persönliche Beratung, bei der eine Fachkraft auf Ihre individuelle Situation eingeht.
Tipps: So holen Sie das Maximum aus der Beratung heraus
Damit Ihr Besuch im Pflegestützpunkt möglichst ergiebig wird, haben wir von Pflege Panorama einige Tipps zusammengestellt, die auf den Erfahrungen vieler Ratsuchender basieren.
Gehen Sie möglichst früh in die Beratung. Viele Menschen kontaktieren den Pflegestützpunkt erst, wenn die Situation bereits akut ist. Besser ist es, sich frühzeitig zu informieren, am besten sobald Sie merken, dass ein Angehöriger zunehmend Hilfe benötigt. So haben Sie genug Zeit, Anträge zu stellen, Leistungen zu beantragen und passende Angebote zu finden, bevor der Druck zu groß wird.
Nehmen Sie eine Vertrauensperson mit. Vier Ohren hören mehr als zwei, und viele Informationen sind beim ersten Hören schwer zu verarbeiten. Wenn eine zweite Person dabei ist, können Sie sich hinterher gemeinsam an die Details erinnern und die nächsten Schritte besprechen.
Fragen Sie nach schriftlichen Unterlagen. Die meisten Pflegestützpunkte haben Informationsblätter, Checklisten und Kontaktlisten, die Sie mitnehmen können. Diese Unterlagen sind wertvoll, weil sie die im Gespräch genannten Informationen festhalten und Ihnen zu Hause als Orientierung dienen.
Scheuen Sie sich nicht, Folgetermine zu vereinbaren. Die Pflege entwickelt sich weiter, und mit jeder Veränderung kommen neue Fragen auf. Der Pflegestützpunkt ist kein einmaliges Angebot, sondern eine langfristige Begleitung. Sie können so oft wiederkommen, wie Sie möchten.


Die wichtigsten Fragen
Was kostet die Beratung im Pflegestützpunkt?
Die Beratung ist vollständig kostenlos. Es gibt keine versteckten Gebühren, keine Mitgliedsbeiträge und keine Verpflichtungen. Die Kosten werden von den Pflege- und Krankenkassen sowie den Kommunen getragen.
Brauche ich einen Termin?
In den meisten Pflegestützpunkten können Sie ohne Termin während der Öffnungszeiten vorbeigehen. Wir empfehlen aber, vorab anzurufen und einen Termin zu vereinbaren, damit genügend Zeit für Ihr Anliegen eingeplant wird.
Kann ich auch für jemand anderen Beratung in Anspruch nehmen?
Ja. Angehörige, Nachbarn, ehrenamtliche Helfer und alle anderen Personen, die sich um einen pflegebedürftigen Menschen kümmern, können sich im Pflegestützpunkt beraten lassen. Die pflegebedürftige Person muss nicht mitkommen.