Im-Ohr-Hörgeräte (ITE, ITC, CIC) sitzen direkt im Gehörgang und sind kaum sichtbar, Hinter-dem-Ohr-Geräte (RIC, BTE) sitzen hinter der Ohrmuschel und liefern mehr Verstärkungs-Leistung. Welche Bauform für Senioren passt, hängt vom Hörverlust, der Fingerfertigkeit und den optischen Wünschen ab. Wir von Pflege Panorama vergleichen in diesem Ratgeber alle Bauformen, erklären Vor- und Nachteile und geben eine klare Empfehlung für die häufigsten Pflegesituationen.
Auf einen Blick: Im-Ohr vs Hinter-dem-Ohr 2026
Krankenkassen-Festbetrag pro Hörgerät 2026: 685 bis 786 Euro je nach Schwerhörigkeitsgrad (GKV-Spitzenverband, 2026).
Etwa 75 Prozent aller neu angepassten Hörgeräte 2026 sind RIC-Modelle (BVHI, 2024). In-the-Ear-Hörgeräte erreichen rund 18 Prozent Marktanteil (biha, 2024). Die durchschnittliche Reparaturhäufigkeit liegt bei 2,3 Jahren (Stiftung Warentest, 2024).
Bauformen: Im-Ohr-Geräte (ITE) gibt es als CIC (Completely-in-the-Canal, unsichtbar), ITC (In-the-Canal, teil-sichtbar) und Full-Shell ITE (sichtbar in der Ohrmuschel). Hinter-dem-Ohr-Geräte teilen sich in RIC (Receiver-in-Canal, mit externem Hörer im Gehörgang) und klassisches BTE (Behind-the-Ear) auf.
Vorteile ITE: Optisch unauffällig bis unsichtbar, kein Konflikt mit Brillenbügeln, Telefonieren mit dem Handy ohne akustische Rückkopplung, vorteilhaft für aktive Senioren mit leichtem bis mittelgradigem Hörverlust.
Vorteile RIC/BTE: Höhere Verstärkungs-Reserve bis zu hochgradigem Hörverlust, größere Akkus, robustere Bauweise, einfachere Bedienung mit größeren Tasten, mehr Modelle mit T-Spule, Bluetooth und Akku-Lade-Schale.
Empfehlung: Bei mittelgradigem bis hochgradigem Hörverlust, Tremor, Arthrose oder bei Pflegegrad 4 bis 5 ist ein RIC- oder BTE-Gerät meist die bessere Wahl. Bei leichtem Hörverlust und hoher optischer Empfindlichkeit kann ein CIC- oder ITC-Gerät passen. Eine kostenlose Beratung bei KIND oder einem anderen Hörakustiker hilft bei der Entscheidung.
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Bauformen im Überblick: ITE, CIC, ITC, RIC, BTE
Im-Ohr-Hörgeräte (ITE) und Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (BTE/RIC) sind die zwei Hauptkategorien moderner Hörsysteme. Die Unterscheidung wird durch die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) und den Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI) im Versorgungsalltag verwendet. Innerhalb der zwei Kategorien gibt es weitere Unterformen, die sich durch Sitz, Größe und Technik unterscheiden.
Bei den Im-Ohr-Geräten gibt es drei Größen. CIC-Geräte (Completely-in-the-Canal) sitzen tief im Gehörgang und sind von außen praktisch unsichtbar. ITC-Geräte (In-the-Canal) ragen leicht aus dem Gehörgang heraus und sind nur bei genauem Hinsehen erkennbar. Full-Shell-ITE-Geräte füllen die gesamte Ohrmuschel aus und sind deutlich sichtbar, dafür aber leichter zu bedienen.
Bei den Hinter-dem-Ohr-Geräten dominiert seit etwa 2018 die RIC-Bauform. Beim RIC-Gerät (Receiver-in-Canal) sitzt der Lautsprecher als kleiner externer Hörer im Gehörgang, während Mikrofon, Verstärker und Akku in einem schlanken Gehäuse hinter der Ohrmuschel verbleiben. Klassische BTE-Geräte haben den Lautsprecher dagegen mit im Gehäuse und leiten den Schall über einen Schlauch in den Gehörgang. Laut BVHI-Marktreport 2024 entfallen rund 75 Prozent aller in Deutschland angepassten Geräte auf die RIC-Bauform.
Senioren mit Pflegegrad treffen ihre Bauform-Entscheidung selten allein. In der Regel begleitet eine Angehörige oder ein Hörakustiker die Auswahl. Wir von Pflege Panorama empfehlen, vor dem Termin den Hörverlust mit einem Audiogramm einschätzen zu lassen, weil die mögliche Bauform direkt vom Schweregrad abhängt. Eine kostenlose Erstberatung bietet unter anderem KIND in über 700 Filialen an.
Vorteile von Im-Ohr-Hörgeräten (ITE, ITC, CIC)
Der größte Vorteil von Im-Ohr-Hörgeräten ist die Optik. CIC-Geräte sind so klein, dass sie tief im Gehörgang verschwinden und für Außenstehende kaum erkennbar sind. ITC-Geräte zeigen nur einen kleinen Anteil an der Ohrmuschel-Öffnung. Für Senioren, die ihren Hörverlust nicht offen sichtbar tragen möchten, ist das ein wichtiges psychologisches Argument. Laut einer Befragung der biha (2023) lehnt etwa jeder dritte Erstanwender BTE-Geräte zunächst aus optischen Gründen ab.
Für Brillenträger entfällt der Konflikt mit dem Bügel. Wer Lese- oder Gleitsichtbrille trägt, kennt das Problem, dass Hinter-dem-Ohr-Geräte mit dem Brillenbügel um den knappen Platz hinter der Ohrmuschel konkurrieren. Im-Ohr-Geräte umgehen das vollständig. Das ist besonders relevant, weil viele Senioren mit Hörverlust gleichzeitig eine Sehkorrektur brauchen. In unserem Ratgeber zum Sehverlust im Alter gehen wir auf das Doppelproblem von Seh- und Hörminderung näher ein.
Beim Telefonieren mit dem Handy fällt die Rückkopplung weg. Wer ein BTE-Gerät trägt und das Handy ans Ohr hält, hört oft ein leises Pfeifen, weil das Mikrofon hinter der Ohrmuschel den Schall des Hörers wieder einfängt. Bei ITE-Geräten ist das Mikrofon im Gehörgang positioniert und der Effekt deutlich kleiner. Senioren, die viel telefonieren, schätzen das. Moderne RIC-Geräte mit Bluetooth-Streaming reduzieren das Problem jedoch ebenfalls.
Die Schalllokalisation ist anatomisch korrekter. Weil das Mikrofon eines ITE-Geräts an der natürlichen Position des Gehörgangseingangs sitzt, nutzt es die Form der Ohrmuschel zur Richtungswahrnehmung. Wer ein BTE-Gerät trägt, verliert diesen Effekt teilweise, weil das Mikrofon oben hinter der Ohrmuschel sitzt. Für Senioren, die in lärmigen Umgebungen wie Restaurants oder Familienfeiern Sprache verstehen müssen, kann das einen Unterschied machen.
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Nachteile von Im-Ohr-Hörgeräten
Im-Ohr-Geräte haben eine begrenzte Verstärkungs-Reserve. CIC-Geräte sind technisch auf leichte bis mittelgradige Hörverluste bis etwa 60 Dezibel Hörminderung ausgelegt. ITC- und Full-Shell-ITE-Geräte erreichen etwa 70 bis 75 Dezibel. Für hochgradige Hörverluste über 80 Dezibel sind sie nicht geeignet. Laut Daten der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde (DGHNO-KHC, 2024) liegt der Hörverlust bei 38 Prozent der Erstanwender ab 75 Jahren bereits über dieser Grenze.
Reparaturen sind häufiger als bei BTE-Geräten. Im-Ohr-Geräte sitzen direkt im warmen, feuchten Gehörgang und kommen ständig mit Cerumen (Ohrenschmalz) in Kontakt. Schweißeinwirkung und Hautfette greifen die Elektronik an. Hörakustiker berichten, dass ITE-Geräte etwa 1,5- bis 2-mal so oft repariert werden müssen wie RIC- oder BTE-Geräte. Das bedeutet längere Tragepausen und mehr Werkstatt-Termine.
Die Bedienung ist für Senioren mit Tremor oder Arthrose schwierig. Die Tasten und Lautstärke-Räder eines CIC-Geräts sind oft kleiner als ein Reiskorn. Wer feinmotorische Einschränkungen hat, kommt damit nicht zurecht. Beim Wechseln der Batterien oder beim Einsetzen ins Ohr scheitern viele Senioren an der Größe. Das gleiche Problem tritt bei der täglichen Reinigung auf. Wer einen Pflegegrad 3 oder höher hat und Hilfe beim Anziehen oder Essen braucht, wird mit einem ITE-Gerät selten autonom umgehen können.
Akku-Versionen sind bei Im-Ohr-Geräten selten. Während fast alle modernen RIC-Geräte mit Lithium-Ionen-Akku und Lade-Schale verfügbar sind, dominiert bei ITE-Geräten noch die Knopfzellen-Batterie der Größe 10 oder 312. Diese Batterien halten nur 3 bis 7 Tage und müssen mit kleinen Pinzetten gewechselt werden. Senioren mit Sehverschlechterung oder zitternden Fingern scheitern daran regelmäßig. Erst seit 2024 gibt es vereinzelt CIC-Modelle wie das Signia Silk IX Charge & Go mit Akku, der Marktanteil liegt aber unter 5 Prozent.
Vorteile von Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten (RIC, BTE)
Der zentrale Vorteil von RIC- und BTE-Geräten ist die hohe Verstärkungs-Leistung. Klassische BTE-Geräte erreichen bis zu 130 Dezibel Output und decken damit auch hochgradige bis an Taubheit grenzende Hörverluste ab. RIC-Geräte erreichen je nach Hörer-Stärke 105 bis 120 Dezibel. Damit sind sie für die große Mehrheit der pflegebedürftigen Senioren mit altersbedingtem Hörverlust ausreichend. Wer einen progredienten Hörverlust hat, also eine Verschlechterung über die Jahre, ist mit einem RIC oder BTE flexibel ausgestattet.
Die Akku-Laufzeit ist deutlich besser. Moderne RIC-Geräte wie das Phonak Audéo Lumity oder das Oticon Real RIC halten mit einer nächtlichen Ladung 16 bis 24 Stunden, inklusive Bluetooth-Streaming. Eine vollständige Lade-Schale lädt das Gerät in 3 Stunden. Senioren mit Pflegegrad profitieren davon, weil das tägliche Batterie-Wechseln entfällt und Pflegekräfte oder Angehörige nur noch das Gerät über Nacht in die Lade-Schale legen müssen.
Die Bedienung ist mit größeren Tasten einfacher. RIC- und BTE-Gehäuse haben Platz für gut tastbare Lautstärke-Wippen und Programm-Tasten. Wer feinmotorische Einschränkungen hat, kann das Gerät leichter handhaben. Auch beim Aufsetzen hilft die größere Form, weil das Gehäuse mit der ganzen Fingerfläche gegriffen werden kann statt mit Daumen und Zeigefinger wie beim CIC. Bei Tremor oder Parkinson ist das ein wichtiger Punkt. Mehr zur sicheren Pflegeumgebung haben wir im Ratgeber zur Sturzprophylaxe für Senioren beschrieben.
Die Robustheit gegen Schweiß und Cerumen ist höher. Weil die Elektronik hinter der Ohrmuschel sitzt und nur ein dünner Schlauch oder ein dünnes Hörer-Kabel in den Gehörgang führt, kommt das eigentliche Gerät kaum mit Körperflüssigkeiten in Kontakt. Reparatur-Statistiken der biha (2023) zeigen, dass BTE-Geräte eine durchschnittliche Standzeit zwischen Reparaturen von 2,8 Jahren erreichen, RIC-Geräte 2,3 Jahre, ITE-Geräte dagegen nur 1,4 Jahre.
Bluetooth, T-Spule und App-Steuerung sind Standard. Praktisch alle aktuellen RIC- und BTE-Modelle der großen Hersteller wie Phonak, Signia, Oticon, Widex und ReSound bieten direktes Streaming vom iPhone oder Android-Smartphone, eine Telefonspule für Kirchen oder Theater und eine Bedien-App. Bei ITE-Geräten ist die Auswahl deutlich kleiner, weil im Mini-Gehäuse oft kein Platz für alle Module ist.
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Nachteile von Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten
Der offensichtliche Nachteil von BTE-Geräten ist die Sichtbarkeit. Klassische BTE-Geräte mit Schlauch und Otoplastik sind je nach Frisur und Haarlänge deutlich erkennbar. Bei Senioren mit dünnem oder kurzem Haar fällt das Gerät auf, was im sozialen Umfeld zu Hemmschwellen führen kann. Viele Erstanwender berichten von einem Gefühl der Stigmatisierung, das erst nach einigen Wochen Eingewöhnung verschwindet. RIC-Geräte sind durch das schlanke Gehäuse und das dünne Hörer-Kabel deutlich diskreter.
Brillenträger berichten von Druckstellen hinter der Ohrmuschel. Wer eine Brille mit metallenem oder dickerem Bügel trägt, hat hinter der Ohrmuschel zwei konkurrierende Bauteile. Bei längerem Tragen kann das zu Hautirritationen oder Druckstellen führen. Hörakustiker passen die Otoplastik in solchen Fällen an oder empfehlen einen Brillenwechsel mit dünnerem Bügel. Bei KIND ist die Anpassung Teil der inkludierten Beratung.
Bei Bettlägerigkeit drücken BTE-Geräte im Liegen. Wer den Großteil des Tages liegt, etwa bei Pflegegrad 4 oder 5, spürt das Gehäuse zwischen Ohr und Kopfkissen. Manche Pflegebedürftige reißen sich das Gerät dann unbewusst aus dem Ohr. RIC-Geräte sind kleiner und drücken weniger, aber auch hier kann das Liegen zu Problemen führen. In solchen Fällen kann ein RIC- oder ein ITC-Gerät die bessere Wahl sein, weil das Hörer-Modul kompakter ist.
Die Otoplastik kann Druckgefühl verursachen. Klassische BTE-Geräte arbeiten mit einer maßangefertigten Otoplastik, einem Silikon- oder Acryl-Einsatz im Gehörgang. Bei zu engem Sitz entstehen Druckschmerzen, bei zu lockerem Sitz pfeift das Gerät durch akustische Rückkopplung. Die Anpassung dauert typischerweise 2 bis 4 Wochen mit mehreren Nachjustierungen. Pflegende Angehörige sollten das in der Versorgung einplanen, um Burnout durch organisatorische Last zu vermeiden. In unserem Ratgeber Burnout in der Pflege vorbeugen beschreiben wir, wie Angehörige solche Termine in der Pflegeplanung gut unterbringen.
Wer wählt was? Empfehlungen nach Pflegesituation
Die Bauform-Empfehlung hängt von Hörverlust, Lebensumstand und Fingerfertigkeit ab. Wir von Pflege Panorama haben die häufigsten Ausgangslagen aus der Beratung mit pflegenden Familien zusammengetragen und ordnen jeder eine sinnvolle Bauform zu. Diese Empfehlungen ersetzen kein Audiogramm, geben aber eine erste Orientierung.
Leichter Hörverlust mit hohem Optik-Anspruch. Wer einen Hörverlust unter 50 Dezibel hat und besonderen Wert auf Unsichtbarkeit legt, kann ein CIC- oder ITC-Gerät wählen. Beispielmodelle sind das Signia Silk IX oder das Oticon Own. Das Gerät verschwindet im Gehörgang und ist auch bei kurzen Frisuren nicht sichtbar.
Mittelgradiger Hörverlust mit aktivem Lebensstil. Senioren mit 50 bis 70 Dezibel Hörverlust, die viel telefonieren, fernsehen oder Bluetooth-Audio nutzen möchten, sind mit einem RIC-Gerät am besten bedient. Empfehlenswerte Modelle sind das Phonak Audéo Lumity, das Oticon Real RIC oder das Widex Moment Sheer. Alle drei bieten Akku, Bluetooth und App-Steuerung.
Hochgradiger Hörverlust ab 75 Dezibel. Hier scheidet ein klassisches CIC-Gerät aus. Empfehlenswert sind RIC-Modelle mit starkem Hörer (Power Receiver) wie das Phonak Naída Lumity oder klassische BTE-Geräte wie das Oticon Xceed. Die hohe Verstärkungs-Reserve verhindert Verzerrungen.
Senioren mit Tremor, Parkinson oder Arthrose. Hier ist die Bedienung der entscheidende Faktor. RIC-Geräte mit großen Tasten und Akku sind die erste Wahl, BTE-Geräte mit klassischer Bauweise eine Alternative. CIC-Geräte sind nicht geeignet, weil das Einsetzen und Entnehmen feinmotorische Präzision erfordert.
Demenz-Patienten ab Pflegegrad 3. Bei beginnender oder fortgeschrittener Demenz empfehlen wir ein klassisches BTE-Gerät, weil es robust ist, eine deutlich sichtbare Position hat und vom Pflegepersonal schnell als vorhanden oder fehlend erkannt werden kann. Ein verlorenes CIC-Gerät fällt dagegen oft tagelang nicht auf. Studien des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE, 2023) zeigen, dass Hörgeräte bei Demenz die kognitive Stabilität fördern, aber nur, wenn sie zuverlässig getragen werden.
Bettlägerige Senioren mit Pflegegrad 4 oder 5. Klassische BTE-Geräte drücken im Liegen und werden oft abgelehnt. RIC-Geräte mit kleinem Gehäuse oder ITC-Geräte sind hier die bessere Wahl. Die Hörakustikerin oder der Hörakustiker prüft beim Hausbesuch, ob das Gerät auch in seitlicher Liegeposition komfortabel sitzt.
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Akustische Anpassbarkeit und technische Reserven
Bei der akustischen Anpassbarkeit hat die RIC-Bauform den größten Spielraum. Weil der Hörer als externes Modul gesteckt wird, kann der Hörakustiker bei einer Verschlechterung des Hörverlusts einfach einen stärkeren Hörer einsetzen, ohne das ganze Gerät zu tauschen. Das ist ein praktischer Vorteil bei progredientem Hörverlust, der bei Senioren über 75 Jahren in 41 Prozent der Fälle innerhalb von 5 Jahren auftritt (DGHNO-KHC, 2024).
BTE-Geräte sind ähnlich flexibel, aber an die Otoplastik gebunden. Wer einen stärkeren Hörverlust entwickelt, braucht oft eine neue Otoplastik mit veränderter Belüftung und Verschluss-Form. Die Anpassung ist möglich, aber aufwändiger als beim RIC. Trotzdem bleibt das BTE-Gerät die robusteste Lösung für hochgradige Hörverluste.
ITE-Geräte sind in der Anpassbarkeit limitiert. Weil das gesamte Gerät als Maßanfertigung im Gehörgang sitzt, lässt sich der Hörer nicht einfach tauschen. Bei Verschlechterung muss in der Regel ein komplettes neues Gerät gefertigt werden. Das macht ITE-Geräte zu einer Lösung für stabile Hörverluste, weniger für progrediente Fälle.
Programme und Klangwelten sind bei allen Bauformen verfügbar. Moderne Hörgeräte bieten 4 bis 8 voreingestellte Programme für Restaurant, Auto, Musik, Naturklänge und Telefonie. Die Programmwahl erfolgt per Tastendruck am Gerät oder per App. Bei CIC-Geräten ist die App-Steuerung Standard, weil das Gerät selbst keine Tasten hat. Bei RIC- und BTE-Geräten gibt es zusätzlich physische Tasten, was für Senioren ohne Smartphone praktisch ist.
Krankenkassen-Festbeträge 2026: Was zahlt die GKV?
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt 2026 alle drei Bauformen, sofern der Hörverlust ärztlich nachgewiesen ist. Es gibt keinen Bauform-Bonus oder Bauform-Abschlag. Geregelt ist die Versorgung in §33 SGB V und im Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 13. Die Festbeträge richten sich nach dem Schweregrad des Hörverlusts, nicht nach der Bauform.
Der Festbetrag liegt 2026 zwischen 685 und 786 Euro pro Hörgerät. Bei einseitiger Versorgung übernimmt die Krankenkasse den vollen Festbetrag, bei beidseitiger Versorgung wird für das zweite Gerät ein Abschlag von etwa 20 Prozent berechnet (GKV-Spitzenverband, 2025). Hinzu kommt die Reparatur-Pauschale, die der Hörakustiker für 6 Jahre Service abrechnet.
Premium-Modelle kosten 1.000 bis 3.000 Euro Eigenanteil pro Gerät. Wer ein Top-Modell mit Akku, KI-gestützter Klangberechnung und Bluetooth möchte, zahlt die Differenz zwischen Festbetrag und Premium-Preis selbst. Modelle wie das Phonak Audéo Lumity 90 oder das Oticon Real 1 liegen in dieser Klasse. Pflege Panorama empfiehlt, vor dem Aufpreis-Kauf einen Vergleichstest mit zwei Geräteklassen zu machen, weil der subjektive Klang-Unterschied stark variieren kann.
Für Pflegegrad-Inhaber ist die Versorgung oft zuzahlungsfrei. Wer von der gesetzlichen Zuzahlung befreit ist, zahlt nur den Eigenanteil bei Premium-Geräten. Bei Standard-Versorgung mit Kassenmodell entstehen außer der einmaligen 10-Euro-Zuzahlung pro Gerät keine Kosten. Den Antrag auf Zuzahlungsbefreiung prüft die Krankenkasse jährlich. Mehr zum Thema haben wir im Ratgeber zum Pflegegrad-Antrag 2026 beschrieben.
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Marken- und Modellübersicht 2026
Sechs große Hersteller dominieren den deutschen Hörgeräte-Markt. Phonak (Schweiz), Signia (Deutschland), Oticon (Dänemark), Widex (Dänemark), ReSound (Dänemark) und Starkey (USA) decken zusammen über 90 Prozent des Marktes ab (BVHI Marktreport, 2024). Daneben gibt es Eigenmarken großer Akustiker-Ketten wie KIND, die in Lizenz von einem der Hersteller produzieren lassen.
Phonak ist Marktführer bei RIC-Geräten. Die Audéo Lumity-Serie und die Slim-Reihe stehen für leistungsstarke RIC-Versorgung mit hervorragender Sprach-im-Lärm-Wahrnehmung. Phonak nutzt die SmartSpeech-Technologie und liefert Akku-Modelle mit 24 Stunden Laufzeit. Für hochgradige Hörverluste gibt es die Naída Lumity-Serie als kraftvolle BTE-Variante.
Signia führt im Im-Ohr-Segment. Mit dem Silk IX bietet Signia eines der kleinsten CIC-Geräte am Markt. Die Bauform ist sofort tragbar, weil keine Maßanfertigung nötig ist. Das spart 1 bis 2 Wochen Wartezeit. Im RIC-Segment ist die Pure Charge & Go IX-Serie ein Klassiker.
Oticon punktet mit Klangphilosophie. Die Oticon Real-Familie nutzt die BrainHearing-Technologie und liefert RIC- sowie BTE-Modelle. Für CIC-Versorgung gibt es das Oticon Own. Das Unternehmen positioniert sich besonders bei Demenz-Versorgungen, weil die Klangverarbeitung kognitive Belastung reduzieren soll.
Widex und ReSound liefern Premium-Alternativen. Widex ist mit dem Moment Sheer und dem Moment Sheer sRIC R D für natürliche Klangwiedergabe bekannt. ReSound bietet mit der Nexia-Reihe besonders kompakte RIC-Geräte. Beide Marken sind im Premium-Segment positioniert und verlangen typischerweise höhere Eigenanteile.
KIND führt eine Eigenmarke im Kassen-Segment. Wer keine Premium-Funktionen braucht, kann bei KIND ein Kassenmodell zum Festbetrag wählen. Die Geräte werden in Lizenz produziert und erfüllen alle Standards der Hilfsmittelverordnung. Eine kostenlose Beratung in der Filiale oder per Hausbesuch klärt, welches Modell zur Hörminderung passt.
Trend 2026: RIC dominiert mit 75 Prozent Marktanteil
Die RIC-Bauform hat sich in den letzten 8 Jahren als Standard durchgesetzt. Laut BVHI-Marktreport 2024 entfallen rund 75 Prozent aller in Deutschland angepassten Hörgeräte auf die RIC-Bauform, etwa 15 Prozent auf klassisches BTE und 10 Prozent auf ITE-Varianten (CIC, ITC, Full-Shell zusammen). Die Verschiebung kommt durch die kleinere Bauform der modernen RIC-Gehäuse, die auch optisch sensible Anwender überzeugt.
ITE-Geräte erleben durch Mikro-Elektronik ein leichtes Comeback. Seit 2023 schrumpfen die Gehäuse durch verbesserte Chip-Technologie weiter. Modelle wie das Signia Silk IX sind so klein, dass sie eine echte Alternative zu CIC-Geräten ohne Maßanfertigung sind. Auch Akku-Versionen werden langsam verfügbar. Der Marktanteil der ITE-Geräte ist von 6 Prozent (2018) auf rund 10 Prozent (2024) gestiegen, könnte aber in den kommenden Jahren weiter wachsen.
Klassische BTE-Geräte bleiben bei hochgradigem Hörverlust unverzichtbar. Wer eine Verstärkungs-Reserve über 110 Dezibel braucht, kommt um ein klassisches BTE-Gerät mit Otoplastik nicht herum. Das betrifft etwa 8 bis 10 Prozent der pflegebedürftigen Senioren mit Hörverlust (DGHNO-KHC, 2024). In dieser Gruppe ist BTE die einzige funktionierende Lösung.
Die Beratung wird komplexer und individueller. Weil die Bauform-Entscheidung von vielen Faktoren abhängt, raten wir von Pflege Panorama zu mindestens zwei kostenlosen Beratungsterminen vor der Anpassung. Bei KIND sind diese Termine unverbindlich und werden in 700 Filialen angeboten. Die Hörakustikerinnen und Hörakustiker prüfen Audiogramm, Lebensumstand, Pflegesituation und Fingerfertigkeit, bevor sie eine Bauform empfehlen.
Die wichtigsten Fragen
Welche Bauform ist besser für Senioren mit Pflegegrad?
Für Senioren mit Pflegegrad 3 oder höher empfiehlt sich in der Regel ein RIC-Gerät oder ein klassisches BTE-Gerät. Diese Bauformen haben größere Tasten, robustere Gehäuse und einen integrierten Akku, der das tägliche Batterie-Wechseln erspart. ITE-Geräte (CIC, ITC) sind technisch gut, aber wegen der kleinen Bedienelemente bei feinmotorischen Einschränkungen schwierig. Bei Demenz ist ein BTE-Gerät besser, weil das Pflegepersonal sofort sieht, ob das Gerät getragen wird oder fehlt. Eine kostenlose Beratung beim Hörakustiker klärt die individuelle Situation.
Was kostet ein Im-Ohr-Hörgerät 2026?
Ein Im-Ohr-Hörgerät zum Krankenkassen-Festbetrag kostet 685 bis 786 Euro pro Gerät, das vollständig von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen wird. Premium-Modelle wie das Signia Silk IX 7 oder das Oticon Own 1 kosten mit Eigenanteil zwischen 1.500 und 3.000 Euro pro Gerät. Bei beidseitiger Versorgung verdoppeln sich die Kosten, wobei die Krankenkasse für das zweite Gerät einen Abschlag von rund 20 Prozent berechnet. Wer von der Zuzahlung befreit ist, zahlt bei Kassengeräten nur die einmalige 10-Euro-Zuzahlung pro Gerät.
Sind Im-Ohr-Geräte für hochgradigen Hörverlust geeignet?
Nein, in der Regel nicht. CIC-Geräte sind technisch auf leichte bis mittelgradige Hörverluste bis etwa 60 Dezibel ausgelegt, ITC- und Full-Shell-ITE-Geräte erreichen 70 bis 75 Dezibel. Für hochgradige Hörverluste ab 80 Dezibel sind sie meistens nicht ausreichend. In diesem Bereich kommen RIC-Geräte mit Power-Receiver oder klassische BTE-Geräte zum Einsatz. Wer einen progredienten Hörverlust hat, sollte von vornherein ein RIC- oder BTE-Gerät wählen, weil bei späterer Verschlechterung nur das Hörer-Modul oder die Otoplastik getauscht werden muss, nicht das ganze Gerät.
Stören Hinter-dem-Ohr-Geräte beim Brillentragen?
BTE-Geräte können bei dickeren Brillenbügeln Druckstellen hinter der Ohrmuschel verursachen. Das Problem ist bei klassischen BTE-Geräten mit Otoplastik größer als bei modernen schlanken RIC-Geräten. Hörakustiker passen die Otoplastik bei Bedarf an oder empfehlen einen Brillenwechsel mit dünnerem Bügel. Bei sehr empfindlichen Trägern oder gleichzeitiger Brille mit dickem Rahmen kann ein Im-Ohr-Gerät die bessere Wahl sein, sofern der Hörverlust dafür geeignet ist. Eine Probetrage-Phase von 2 bis 4 Wochen klärt, ob die Bauform passt.
Was ist der Unterschied zwischen RIC und klassischem BTE?
Beim klassischen BTE-Gerät sitzt der Lautsprecher zusammen mit Mikrofon und Verstärker im Gehäuse hinter dem Ohr. Der Schall wird über einen dünnen Schlauch und eine Otoplastik in den Gehörgang geleitet. Beim RIC-Gerät sitzt der Lautsprecher als externer Hörer direkt im Gehörgang, verbunden über ein dünnes Kabel mit dem schlanken Gehäuse hinter dem Ohr. RIC-Geräte sind kleiner, optisch unauffälliger und akustisch oft natürlicher. Klassische BTE-Geräte haben dagegen eine höhere Verstärkungs-Reserve und sind robuster für hochgradige Hörverluste.
Welche Marken bieten gute Im-Ohr-Geräte?
Im Im-Ohr-Segment führen Signia mit dem Silk IX, Oticon mit dem Own, Phonak mit dem Slim und Widex mit dem Moment CIC. Auch Starkey und ReSound bieten ITE-Modelle. Das Signia Silk IX ist besonders interessant, weil es als sofort tragbares CIC ohne Maßanfertigung verfügbar ist und so die Wartezeit von 1 bis 2 Wochen einspart. Eigenmarken großer Akustiker-Ketten wie KIND bieten Im-Ohr-Geräte zum Krankenkassen-Festbetrag, sodass auch ohne Eigenanteil eine Versorgung möglich ist. Eine Beratung in der Filiale klärt, welche Marke zum Hörverlust passt.
Kann ich beide Bauformen probetragen?
Ja. Hörakustiker bieten in der Regel eine Probetrage-Phase von 2 bis 4 Wochen pro Bauform an. Wer unsicher ist, ob ein Im-Ohr- oder ein Hinter-dem-Ohr-Gerät besser passt, kann beide Varianten nacheinander testen. Die Krankenkasse trägt die Kosten der Anpassung über die Versorgungspauschale. Bei KIND sind die Beratungstermine kostenlos und unverbindlich, ein Vergleichstest zwischen Bauformen ist Teil des Service. Pflege Panorama empfiehlt, vor der finalen Entscheidung mindestens zwei Bauformen 2 Wochen lang im Alltag zu testen.
Übernimmt die Pflegekasse Kosten für Hörgeräte?
Nein. Hörgeräte sind Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung nach §33 SGB V, nicht der Pflegeversicherung. Die Krankenkasse zahlt den Festbetrag von 685 bis 786 Euro pro Gerät, unabhängig vom Pflegegrad. Wer einen Pflegegrad hat, kann den Entlastungsbetrag von 125 Euro pro Monat oder das Pflegegeld für eine Begleitung zum Hörakustiker einsetzen, etwa wenn die pflegebedürftige Person nicht alleine zur Filiale kommt. Mobile Hörakustiker bieten zudem Hausbesuche an, die ebenfalls über die Krankenkasse abgerechnet werden.