Eine Demenz Wohnung sichern gehört zu den wichtigsten Aufgaben, sobald die Diagnose feststeht. Stürze, Verbrühungen und Vergiftungen zählen zu den häufigsten Unfallursachen bei Menschen mit Demenz. Die gute Nachricht: Mit gezielten Maßnahmen lassen sich die meisten Gefahrenquellen beseitigen. Die Pflegekasse übernimmt im Rahmen der Wohnraumanpassung bis zu 4.000 Euro je Maßnahme, und viele Veränderungen kosten wenig oder gar nichts. Wir von Pflege Panorama zeigen Ihnen Raum für Raum, wie Sie die Wohnung sicher machen, welche Hilfsmittel wirklich helfen und welche Kosten auf Sie zukommen.
Wir von Pflege Panorama haben diesen Ratgeber erstellt, damit pflegende Angehörige systematisch vorgehen können. Sie erfahren, welche Gefahren in welchem Raum lauern, welche Hilfsmittel sich bewährt haben und wie Sie die Finanzierung über die Pflegekasse regeln. Außerdem erklären wir, ab welchem Zeitpunkt alternative Wohnformen wie eine Demenz WG sinnvoller sein können als weitere Umbauten.
🏠 Demenz Wohnung sichern: Das Wichtigste auf einen Blick
| ⚠️ Häufigste Gefahren | Stolperfallen, offene Herdplatten, rutschige Böden, ungesicherte Treppen |
| 🚨 Wichtigste Räume | Küche, Bad, Flur, Schlafzimmer, Wohnzimmer |
| 💶 Durchschnittl. Kosten | 1.500–8.000 € (je nach Umfang) |
| 📝 Antragstellung | Formloses Schreiben VOR Umbaubeginn! |
Warum Menschen mit Demenz in der eigenen Wohnung gefährdet sind
Menschen mit Demenz verlieren schrittweise die Fähigkeit, Gefahren zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Ein heißer Herd wird nicht mehr als Risiko wahrgenommen. Stolperfallen auf dem Boden fallen nicht auf. Die Bedeutung von Warnschildern oder roten Signalfarben geht verloren. Hinzu kommen Orientierungsprobleme, gestörtes Zeitempfinden und eine zunehmend unsichere Motorik.
Laut dem Statistischen Bundesamt ereignen sich rund 70 Prozent aller Unfälle bei Senioren in den eigenen vier Wänden. Bei Demenzkranken liegt diese Quote noch höher, weil die kognitive Einschränkung das Unfallrisiko zusätzlich steigert. Die Robert Koch-Institut Daten zeigen, dass Stürze die häufigste Unfallursache sind, gefolgt von Verbrühungen und Vergiftungen durch versehentlich eingenommene Reinigungsmittel. Ein Oberschenkelhalsbruch nach einem Sturz führt bei Demenzkranken häufig zu einer dauerhaften Verschlechterung des Allgemeinzustands, weil die Reha deutlich schwieriger verläuft als bei kognitiv gesunden Personen.
Die Wohnung sichern ist deshalb keine optionale Maßnahme, sondern eine Notwendigkeit. Je früher Sie damit beginnen, desto besser. Im frühen Stadium der Erkrankung kann die betroffene Person noch in die Planung einbezogen werden und sich an Veränderungen gewöhnen. Im fortgeschrittenen Stadium werden bauliche Veränderungen oft als bedrohlich empfunden und können Unruhe auslösen.


Küche: Die gefährlichste Zone im Haushalt
Die Küche vereint mehr Gefahrenquellen als jeder andere Raum. Heiße Herdplatten, scharfe Messer, giftige Reinigungsmittel und elektrische Geräte bilden ein Risikobündel, das systematisch entschärft werden muss.
Herd und Backofen absichern
Der Herd ist die größte Einzelgefahr in der Küche. Demenzkranke vergessen eingeschaltete Herdplatten, legen brennbare Gegenstände auf heiße Flächen oder versuchen zu kochen und verlieren dabei die Übersicht. Ein Herdwächter ist die wirksamste Gegenmaßnahme. Dieses Gerät überwacht den Herd per Sensor und schaltet ihn automatisch ab, wenn ungewöhnliche Hitzeentwicklung oder fehlende Bewegung vor dem Herd erkannt wird. Herdwächter kosten zwischen 200 und 500 Euro und lassen sich an nahezu jedem Herdtyp nachrüsten. Alternativ gibt es Herdschutzknöpfe, die das Einschalten nur mit einer Drehbewegung und gleichzeitigem Drücken ermöglichen. Diese kosten nur 20 bis 40 Euro pro Set, erfordern aber mehr Feinmotorik.
Bei einem Gasherd ist die Absicherung noch dringlicher. Hier empfehlen wir den kompletten Austausch gegen ein Cerankochfeld oder Induktionskochfeld. Ein Induktionsherd erhitzt nur den Topfboden und nicht die Platte selbst, was die Verbrennungsgefahr drastisch reduziert. Falls der Austausch nicht möglich ist, sollte ein Gasmelder installiert werden. Diese Geräte kosten ab 30 Euro und warnen zuverlässig vor austretendem Gas.
Messer, Reinigungsmittel und Elektrogeräte
Scharfe Messer gehören in eine abschließbare Schublade oder einen Messerblock, der in einem verschlossenen Schrank steht. Gleiches gilt für Scheren, Dosenöffner und Sparschäler. Reinigungsmittel, Spülmaschinentabs und Entkalker müssen ebenfalls verschlossen aufbewahrt werden. Demenzkranke verwechseln Reinigungsmittel gelegentlich mit Getränken, besonders wenn die Flaschen bunt gestaltet sind. Kindersicherungen für Schranktüren kosten wenige Euro und sind schnell montiert.
Wasserkocher, Toaster und andere Elektrokleingeräte sollten nach Gebrauch vom Strom getrennt werden. Am einfachsten geht das mit einer abschaltbaren Steckdosenleiste, die an einem unauffälligen Ort platziert wird. So können Sie die Geräte zentral vom Netz nehmen, ohne alle Stecker einzeln ziehen zu müssen.
Wassertemperatur begrenzen
Verbrühungen durch zu heißes Wasser sind ein unterschätztes Risiko. Ein thermostatisches Mischventil an der Küchenarmatur begrenzt die Wassertemperatur auf maximal 38 Grad Celsius. Die Installation kostet mit Einbau etwa 80 bis 150 Euro und ist eine der wirksamsten Einzelmaßnahmen gegen Verbrühungen. Diese Begrenzung sollten Sie in der gesamten Wohnung an allen Wasserhähnen vornehmen, besonders im Bad.
🏠 Gefahrenzonen Raum für Raum
Herd, Messer, Reinigungsmittel, heißes Wasser → Herdwächter, abschließbare Schränke, Thermostatventil
Rutschige Böden, Badewanne, heißes Wasser → Antirutschmatten, Haltegriffe, ebenerdige Dusche
Stolperfallen, schlechte Beleuchtung → Teppiche entfernen, Bewegungsmelder, Treppenschutzgitter
Nächtliche Stürze → Niedrigbett, Sturzschutzmatte, Sensorlampe
Möbelkanten, Glasflächen → Kantenschutz, LED-Kerzen statt echte Kerzen
Bad: Stürze und Verbrühungen verhindern
Das Badezimmer ist nach der Küche der zweite Hochrisiko-Raum. Nasse Böden, Badewannenrand, Toilettengang und heißes Wasser bilden die zentralen Gefahren.
Rutschfeste Böden und Haltegriffe
Rutschige Fliesen werden durch Antirutschmatten oder eine professionelle Anti-Rutsch-Beschichtung entschärft. Antirutschmatten kosten ab 15 Euro, eine professionelle Beschichtung der gesamten Bodenfläche etwa 200 bis 400 Euro. In der Dusche und Badewanne sind Antirutscheinlagen Pflicht. Haltegriffe neben Toilette, Dusche und Badewanne geben zusätzliche Sicherheit. Die Montage muss fachgerecht in der Wand verankert werden, Saugnäpfe reichen nicht aus. Stabile Edelstahl-Haltegriffe kosten 30 bis 80 Euro pro Stück zuzüglich Einbau.
Der Einstieg in die Badewanne ist für Demenzkranke besonders riskant. Eine ebenerdige Dusche ist die sicherste Lösung, der Umbau kostet zwischen 3.000 und 6.000 Euro und wird von der Pflegekasse bezuschusst. Falls ein kompletter Umbau nicht möglich ist, hilft eine Badewannentür. Dabei wird ein Stück der Badewannenwand herausgeschnitten und durch eine wasserdichte Tür ersetzt. Die Kosten liegen bei 1.000 bis 2.000 Euro.
Toilette und Hygiene
Ein erhöhter Toilettensitz erleichtert das Aufstehen und Hinsetzen erheblich. Modelle mit integrierten Armlehnen kosten 40 bis 100 Euro und werden einfach auf die bestehende Toilette aufgesetzt. Für die nächtlichen Toilettengänge empfiehlt sich ein Toilettenstuhl neben dem Bett, um den Weg ins Bad zu vermeiden. Bewegungsmelder-Nachtlichter im Flur und Bad erleuchten den Weg automatisch, ohne dass ein Schalter betätigt werden muss. Diese batteriebetriebenen Leuchten kosten 10 bis 25 Euro pro Stück und werden einfach an die Wand geklebt.
Die Wassertemperatur im Bad sollte wie in der Küche auf maximal 38 Grad begrenzt werden. Zusätzlich empfehlen wir einen Duschdrehstuhl für Personen, die nicht sicher stehen können. Ein stabiler Duschstuhl mit Rückenlehne und Armlehnen kostet zwischen 80 und 250 Euro. Die Pflegekasse übernimmt einen Teil der Kosten als Hilfsmittel.
Medikamente und Kosmetik sichern
Im Badezimmer lagern häufig Medikamente, Mundwasser, Parfüm und andere Flüssigkeiten, die nicht eingenommen werden dürfen. All diese Produkte gehören in einen abschließbaren Schrank. Verwechslungen zwischen Mundwasser und Trinkwasser oder zwischen Shampoo und Flüssigseife kommen bei Demenzkranken regelmäßig vor. Eine Demenzuhr im Badezimmer kann helfen, die Tageszeit und damit die Körperpflege-Routine im Blick zu behalten.


Flur und Treppen: Den Bewegungsradius sicher gestalten
Der Flur ist die Verbindung zwischen allen Räumen und damit der am häufigsten begangene Bereich der Wohnung. Gleichzeitig ist er oft schlecht beleuchtet, eng und voller Stolperfallen.
Stolperfallen beseitigen
Teppichkanten, Läufer, Kabel und Türschwellen sind die klassischen Stolperfallen im Flur. Lose Teppiche sollten komplett entfernt werden. Falls Sie auf einen Teppich nicht verzichten möchten, fixieren Sie ihn mit doppelseitigem Klebeband oder rutschfester Unterlage am Boden. Türschwellen können mit flachen Übergangsschienen entschärft werden. Kabel von Telefon, Lampen oder Ladegeräten werden mit Kabelkanälen an der Wand befestigt. Diese Maßnahmen kosten zusammen selten mehr als 100 Euro und verhindern einen Großteil aller Stürze in der Wohnung.
Schuhe, Taschen und andere Gegenstände, die auf dem Boden abgestellt werden, gehören in geschlossene Schränke. Bei Demenz nimmt die Fähigkeit ab, Hindernisse am Boden bewusst wahrzunehmen und ihnen auszuweichen. Ein aufgeräumter Flur ohne Bodenhindernisse ist deshalb kein Luxus, sondern eine Sicherheitsmaßnahme.
Beleuchtung und Orientierung
Eine durchgehende, blendfreie Beleuchtung im Flur ist unverzichtbar. Bewegungsmelder sind die beste Lösung, weil sie automatisch reagieren und keinen Lichtschalter erfordern. Nachts sorgen bodennah installierte LED-Streifen oder Steckdosen-Nachtlichter für Orientierung, ohne die betroffene Person zu blenden. Die Lichtfarbe sollte warmweiß sein, da kaltes Licht bei Demenzkranken Unruhe auslösen kann.
Türen zu verschiedenen Räumen lassen sich farblich kennzeichnen. Eine blaue Markierung für das Bad, eine gelbe für die Küche. Diese visuelle Orientierungshilfe funktioniert besonders im mittleren Demenz-Stadium gut, wenn die räumliche Orientierung nachlässt, Farben aber noch erkannt werden. Auch Piktogramme an den Türen können helfen: ein Toilettensymbol an der Badtür, ein Bettensymbol am Schlafzimmer.
Treppen sichern
Treppen stellen bei Demenz ein erhebliches Sturzrisiko dar. Beidseitige Handläufe sind die Grundvoraussetzung. Markieren Sie die Stufenkanten mit kontrastreichen Klebestreifen, damit jede einzelne Stufe klar erkennbar ist. Treppenschutzgitter, wie sie für Kleinkinder verwendet werden, verhindern den unbeaufsichtigten Zugang zur Treppe. Diese Gitter kosten zwischen 30 und 80 Euro und sind schnell montiert.
Bei fortgeschrittener Demenz sollte geprüft werden, ob ein Leben auf einer Etage möglich ist. Oft lässt sich das Schlafzimmer ins Erdgeschoss verlegen und ein Toilettengang im Erdgeschoss einrichten. Ein Treppenlift kostet zwischen 3.500 und 12.000 Euro, wird aber von der Pflegekasse im Rahmen der Wohnraumanpassung bezuschusst.
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Schlafzimmer: Sicherheit in der Nacht
Nachts ist das Unfallrisiko besonders hoch. Demenzkranke stehen auf, sind desorientiert und stolpern über Gegenstände, die sie im Dunkeln nicht sehen. Gleichzeitig ist das Schlafzimmer der Raum, in dem die betroffene Person am meisten Zeit verbringt.
Bett und Umgebung
Das Bett sollte auf eine Höhe eingestellt sein, die das Aufstehen erleichtert, aber ein Herausfallen verhindert. Niedrigbetten mit einer Liegehöhe von 25 bis 35 Zentimetern reduzieren die Verletzungsgefahr bei einem Sturz aus dem Bett drastisch. Bettgitter können im Einzelfall sinnvoll sein, gelten aber als freiheitsentziehende Maßnahme und bedürfen der Genehmigung durch das Betreuungsgericht, wenn die betroffene Person nicht einwilligt. Eine weiche Sturzschutzmatte neben dem Bett ist die einfachere Alternative und kostet 30 bis 80 Euro.
Nachttische sollten keine scharfen Kanten haben und fest stehen. Lose Kabel von Nachttischlampen werden mit Kabelbindern gesichert. Eine Sensorlampe, die bei Bewegung angeht, erleuchtet automatisch den Bereich neben dem Bett, sobald die Person aufsteht. So findet sie den Weg zur Toilette, ohne im Dunkeln zu tappen.
Kleidung und Schränke
Offene Kleiderschränke erleichtern die Orientierung. Wenn die betroffene Person ihre Kleidung sieht, findet sie leichter das richtige Kleidungsstück. Gleichzeitig sollten Sie die Auswahl reduzieren: Weniger Kleidungsstücke bedeuten weniger Verwirrung. Legen Sie die Tageskleidung abends bereit, damit die morgendliche Routine möglichst einfach bleibt. Schubladensperre bei Schränken, die gefährliche Gegenstände enthalten, kosten wenige Euro und verhindern unbedachten Zugriff.
Wohnzimmer: Bekannte Umgebung sicher gestalten
Das Wohnzimmer ist oft der Lieblingsraum und sollte so vertraut wie möglich bleiben. Veränderungen sollten hier besonders behutsam vorgenommen werden.
Scharfe Tisch- und Möbelkanten werden mit Kantenschutz aus Silikon oder Schaumstoff entschärft. Diese Schutzleisten kosten 5 bis 15 Euro pro Meter und lassen sich rückstandsfrei wieder entfernen. Glasflächen an Couchtischen oder Vitrinen sollten gegen Sicherheitsglas ausgetauscht oder komplett entfernt werden. Stehlampen mit instabilem Fuß werden durch standfeste Modelle oder Wandleuchten ersetzt.
Offenes Feuer von Kerzen ist tabu. LED-Kerzen imitieren den Kerzenschein täuschend echt und kosten wenige Euro. Auch ein offener Kamin oder Kaminofen muss mit einem Funkenschutzgitter gesichert werden. Die Fernbedienung des Fernsehers wird am besten durch ein vereinfachtes Modell mit wenigen großen Tasten ersetzt. Solche Senioren-Fernbedienungen kosten 20 bis 40 Euro und reduzieren die Frustration erheblich.
Fenster und Türen: Weglaufschutz und Sicherung
Menschen mit Demenz verlassen gelegentlich die Wohnung ohne Ziel und ohne angemessene Kleidung. Dieses sogenannte Hinlaufen ist ein ernstes Sicherheitsrisiko, besonders bei Kälte oder Dunkelheit.
Abschließbare Fenstergriffe verhindern das unbeaufsichtigte Öffnen von Fenstern. Der Austausch kostet 10 bis 20 Euro pro Fenster und dauert wenige Minuten. Die Wohnungstür kann mit einem zusätzlichen Schloss gesichert werden, das von innen nur mit Schlüssel zu öffnen ist. Hier müssen Sie allerdings den Brandschutz beachten: Im Notfall muss ein schnelles Verlassen der Wohnung möglich bleiben. Ein Kompromiss sind Türsensoren, die per App oder akustischem Signal melden, wenn die Haustür geöffnet wird. Diese smarten Türsensoren kosten 20 bis 50 Euro und lassen sich einfach an der Tür befestigen.
GPS-Tracker als Armband oder in der Schuhsohle geben zusätzliche Sicherheit, falls die Person doch einmal das Haus verlässt. Die Geräte kosten zwischen 50 und 150 Euro, hinzu kommen monatliche Kosten von 5 bis 10 Euro für die SIM-Karte. Bei Lewy-Körper-Demenz ist die Weglauftendenz besonders ausgeprägt, weshalb bei dieser Demenzform ein GPS-Tracker von Anfang an empfohlen wird.


Hilfsmittel im Überblick: Was wirklich hilft
🛠️ Die wichtigsten Hilfsmittel: Kosten & Priorität
| Hilfsmittel | Kosten ca. | Priorität |
|---|---|---|
| 🔥 Herdwächter | 200–500 € | SEHR HOCH |
| 🌡️ Thermostat-Mischventil | 80–150 € | SEHR HOCH |
| 🛁 Antirutschmatten/-beschichtung | 15–400 € | HOCH |
| 🚿 Haltegriffe (Edelstahl) | 30–80 €/Stück | HOCH |
| 💡 Bewegungsmelder-Nachtlicht | 10–25 €/Stück | HOCH |
| 🚧 Treppenschutzgitter | 30–80 € | HOCH |
| 🪟 Abschließbare Fenstergriffe | 10–20 €/Fenster | MITTEL |
| 📍 GPS-Tracker | 50–150 € + mtl. | JE NACH STADIUM |
Die Auswahl an Hilfsmitteln für die Wohnraumsicherung ist groß. Nicht alles ist gleich wichtig. Wir von Pflege Panorama empfehlen, mit den Maßnahmen zu beginnen, die das größte Risiko adressieren, und dann schrittweise zu erweitern.
Die Priorisierung hängt vom individuellen Demenz-Stadium und der konkreten Wohnsituation ab. In einer Erdgeschosswohnung ohne Treppe entfällt das Treppenschutzgitter. In einer Wohnung mit Gasherd hat der Herdaustausch absolute Priorität. Gehen Sie systematisch Raum für Raum vor und bewerten Sie für jede Gefahrenquelle, wie wahrscheinlich ein Unfall ist und wie schwer die Folgen wären.
Was die Pflegekasse zahlt: Wohnraumanpassung nach § 40 SGB XI
Die Pflegekasse bezuschusst Maßnahmen zur Wohnraumanpassung mit bis zu 4.000 Euro je Maßnahme gemäß § 40 Abs. 4 SGB XI. Diese Leistung steht allen Versicherten mit Pflegegrad 1 bis 5 zu. Wichtig: Es handelt sich nicht um eine einmalige Zahlung. Für jede einzelne Maßnahme, die die häusliche Pflege erleichtert oder die selbstständige Lebensführung ermöglicht, können Sie erneut bis zu 4.000 Euro beantragen.
Wenn mehrere pflegebedürftige Personen zusammenleben, etwa in einer Demenz WG, erhöht sich der Zuschuss auf bis zu 16.000 Euro je Maßnahme (maximal 4 Personen à 4.000 Euro). Das macht gemeinschaftliche Wohnformen finanziell besonders attraktiv für umfangreiche Umbaumaßnahmen.
So stellen Sie den Antrag
Der Antrag auf Wohnraumanpassung muss vor Beginn der Maßnahme bei der Pflegekasse gestellt werden. Ein formloses Schreiben genügt. Beschreiben Sie darin die geplante Maßnahme, begründen Sie die Notwendigkeit und fügen Sie einen Kostenvoranschlag bei. Die Pflegekasse beauftragt in der Regel den Medizinischen Dienst (MD) mit einer Begutachtung, ob die Maßnahme notwendig und angemessen ist.
Typische Maßnahmen, die bewilligt werden: Umbau der Badewanne zur ebenerdigen Dusche, Einbau von Haltegriffen, Türverbreiterungen, Beseitigung von Schwellen, Einbau von Rampen, Treppenlift, Herdwächter. Nicht übernommen werden reine Komfortverbesserungen wie eine hochwertigere Küchenausstattung.
Falls Sie noch keinen Pflegegrad haben, sollten Sie diesen als Erstes beantragen. Bereits ab Pflegegrad 1 besteht der Anspruch auf Wohnraumanpassung. Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel drei bis fünf Wochen. Beginnen Sie mit den Maßnahmen erst nach der schriftlichen Zusage, da nachträgliche Erstattungen nur in Ausnahmefällen möglich sind.
Weitere Finanzierungsquellen
Neben der Pflegekasse gibt es weitere Fördermöglichkeiten. Die KfW-Bank bietet über das Programm „Altersgerecht Umbauen“ (Programm 455-B) Zuschüsse von bis zu 6.250 Euro für Barriere reduzierende Maßnahmen. Dieser Zuschuss ist mit dem Pflegekassenzuschuss kombinierbar. Zusätzlich können regionale Förderprogramme der Bundesländer und Kommunen in Frage kommen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Stadt oder Gemeinde nach lokalen Fördertöpfen für barrierefreies Wohnen.
Die Kosten für anerkannte Hilfsmittel wie Toilettensitzerhöhungen, Duschstühle oder Bettgitter werden separat über die Hilfsmittelversorgung nach § 40 Abs. 1 SGB XI abgerechnet. Diese Hilfsmittel können Sie über ein Sanitätshaus mit ärztlicher Verordnung beziehen. Die Pflegekasse übernimmt die Kosten abzüglich einer gesetzlichen Zuzahlung von maximal 10 Euro je Hilfsmittel.
Wann die Wohnung nicht mehr reicht: Alternative Wohnformen
Trotz aller Sicherungsmaßnahmen kommt bei fortschreitender Demenz oft der Punkt, an dem die eigene Wohnung nicht mehr ausreichend sicher ist. Wenn die betroffene Person nachts regelmäßig aufsteht und die Wohnung verlassen will, wenn sie den Herd trotz Herdwächter umgeht oder wenn Stürze trotz aller Vorkehrungen zunehmen, sollten Sie alternative Wohnformen in Betracht ziehen.
Eine Demenz WG bietet rund um die Uhr Betreuung in einer familiären Atmosphäre. Die Wohnungen sind professionell gesichert, und das Pflegepersonal ist auf den Umgang mit Demenzkranken spezialisiert. Gleichzeitig bietet eine Demenz WG soziale Kontakte und gemeinsame Aktivitäten, die in der Einzelwohnung fehlen. Beschäftigungsangebote wie Spiele und Gruppenaktivitäten gehören in guten Demenz-WGs zum festen Tagesablauf.
Die Entscheidung für einen Umzug ist emotional schwer. Viele Angehörige haben das Gefühl, die betroffene Person im Stich zu lassen. Doch ein sicheres Umfeld ist wichtiger als die vertraute Adresse. Wenn Sie den Übergang gut planen und persönliche Gegenstände mitnehmen, kann der Umzug in eine spezialisierte Wohnform die Lebensqualität deutlich verbessern.
10 häufige Fehler bei der Wohnungssicherung
Die Sicherung der Wohnung bei Demenz ist ein Prozess, der sich an den Krankheitsverlauf anpassen muss. Folgende Fehler beobachten wir von Pflege Panorama immer wieder.
Erstens: Zu spät anfangen. Viele Angehörige warten, bis ein Unfall passiert ist, bevor sie die Wohnung sichern. Beginnen Sie bereits bei der Diagnose mit den ersten Maßnahmen. Zweitens: Alles auf einmal verändern. Radikale Umgestaltungen verunsichern Demenzkranke. Nehmen Sie Veränderungen schrittweise vor und geben Sie der betroffenen Person Zeit, sich anzupassen.
Drittens: Gefahren in der Küche unterschätzen. Der Herd ist die größte Einzelgefahr. Viertens: Den Antrag bei der Pflegekasse vergessen. Viele Maßnahmen werden erst nach vorheriger Genehmigung erstattet. Fünftens: Nur das Bad sichern und andere Räume vernachlässigen. Stürze passieren überall.
Sechstens: Billige Haltegriffe mit Saugnäpfen verwenden. Diese halten nicht und geben trügerische Sicherheit. Siebtens: Nachtbeleuchtung vergessen. Nachts passieren die meisten Stürze. Achtens: Den Flur als Abstellfläche nutzen. Jeder Gegenstand am Boden ist eine potenzielle Stolperfalle.
Neuntens: Freiheitsentziehende Maßnahmen ohne rechtliche Absicherung einsetzen. Abgeschlossene Türen und Bettgitter können juristisch problematisch sein. Sprechen Sie mit dem Betreuungsgericht. Zehntens: Nicht an Rauchmelder denken. In jedem Raum sollte ein funktionierender Rauchmelder hängen. Seit 2024 gilt die Rauchmelderpflicht in allen Bundesländern für Bestandswohnungen.


Die wichtigsten Fragen
Was kostet es, eine Wohnung für Demenzkranke sicher zu machen?
Die Kosten variieren stark je nach Wohnsituation und Umfang der Maßnahmen. Grundlegende Sicherungsmaßnahmen wie Stolperfallen beseitigen, Nachtlichter installieren und Schränke sichern kosten 200 bis 500 Euro. Mittlere Maßnahmen inklusive Herdwächter, Haltegriffen und Thermostatventilen liegen bei 1.000 bis 3.000 Euro. Ein umfassender Umbau mit ebenerdiger Dusche, Treppenlift und professioneller Lichtplanung kann 5.000 bis 15.000 Euro kosten. Die Pflegekasse übernimmt bis zu 4.000 Euro je Maßnahme.
Ab welchem Demenz-Stadium sollte man die Wohnung sichern?
Sofort nach der Diagnose sollten Sie mit den ersten Maßnahmen beginnen. Im frühen Stadium reichen oft einfache Anpassungen wie Stolperfallen beseitigen und Nachtlichter installieren. Im mittleren Stadium werden Herdwächter, Haltegriffe und Weglaufschutz notwendig. Im späten Stadium muss die gesamte Wohnung konsequent gesichert sein, oder es sollte über einen Umzug in eine betreute Wohnform nachgedacht werden.
Gibt es deutschsprachige Pflegeheime in Polen?
Ja, insbesondere an der Ostsee (Danzig, Kolberg, Swinemünde) und in Stettin gibt es deutschsprachige Pflegeeinrichtungen, die gezielt Personal mit Deutschkenntnissen einstellen. Einige Häuser haben Mitarbeiter, die in Deutschland ausgebildet wurden.