Mehrgenerationenwohnen ist eine der spannendsten Wohnformen, die Deutschland gerade erlebt. Jung und Alt leben unter einem Dach oder auf einem Gelände, teilen Gemeinschaftsräume, helfen sich gegenseitig und bleiben trotzdem eigenständig. Was früher selbstverständlich war, wird 2026 bewusst neu organisiert. Über 530 Mehrgenerationenhäuser werden aktuell durch das Bundesprogramm gefördert, und die Nachfrage nach gemeinschaftlichen Wohnprojekten wächst seit Jahren. Wir von Pflege Panorama erklären in diesem Ratgeber, wie das Mehrgenerationenwohnen Konzept funktioniert, welche Förderungen es gibt, was es kostet und für wen sich diese Wohnform eignet.
👨👩👧👦 Mehrgenerationenwohnen 2026: Das Wichtigste auf einen Blick
| 🏠 Konzept | Eigene Wohnung + Gemeinschaftsflächen + bewusste Nachbarschaft |
| 👥 Zielgruppen | Familien, Alleinerziehende, Senioren, Menschen mit Behinderung |
| 📐 Wohnungsgrößen | 40–100 m², barrierefrei |
| ⚡ Unterschied Senioren-WG | Alle Altersgruppen, eigene Wohnungen statt geteilte WG |
Was ist Mehrgenerationenwohnen genau?
Das Mehrgenerationenwohnen Konzept beschreibt eine Wohnform, bei der Menschen verschiedener Altersgruppen und Lebensphasen bewusst zusammenleben. Die Grundidee ist einfach: Jeder hat seine eigene Wohnung mit Küche, Bad und Privatsphäre. Gleichzeitig gibt es Gemeinschaftsflächen, die von allen genutzt werden. Das können Gemeinschaftsküchen sein, Werkstätten, Gärten, Waschräume oder Veranstaltungsräume.
Der entscheidende Unterschied zu normalem Wohnen in einem Mehrfamilienhaus liegt in der bewussten Gemeinschaftsbildung. Die Bewohner kennen sich, treffen sich regelmäßig und unterstützen einander im Alltag. Junge Eltern passen auf die Kinder der Nachbarn auf. Senioren helfen bei den Hausaufgaben. Berufstätige bringen Einkäufe mit. Das Prinzip funktioniert, weil alle freiwillig teilnehmen und gleichzeitig ihre Eigenständigkeit behalten.
Mehrgenerationenwohnen ist nicht zu verwechseln mit dem Mehrgenerationenhaus im Sinne des Bundesprogramms. Die Begriffe werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Dinge. Das Bundesprogramm fördert offene Begegnungsorte in Kommunen, also keine Wohnprojekte im engeren Sinne. Mehrgenerationenwohnen als Wohnform meint dagegen tatsächliche Wohngebäude oder Wohnanlagen, in denen verschiedene Generationen dauerhaft zusammenleben. Beide Konzepte ergänzen sich, sind aber nicht identisch.
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Das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus: 530 Standorte in Deutschland
Das Bundesprogramm „Miteinander, Füreinander“ ist das größte staatliche Förderprogramm für generationenübergreifende Begegnung in Deutschland. Seit 2021 läuft die aktuelle Programmphase, und 2026 sind bundesweit rund 530 Mehrgenerationenhäuser aktiv. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt gibt es mindestens ein Mehrgenerationenhaus.
Die Mehrgenerationenwohnen Förderung durch den Bund beträgt 40.000 Euro pro Jahr und Standort. Dazu kommen mindestens 10.000 Euro Kofinanzierung durch die jeweilige Kommune. Insgesamt stehen jedem Mehrgenerationenhaus also mindestens 50.000 Euro jährlich zur Verfügung. Diese Mittel fließen in Personal, Raumkosten, Sachausgaben und Öffentlichkeitsarbeit.
Wichtig: Die geförderten Mehrgenerationenhäuser sind offene Begegnungsorte, keine Wohnanlagen. Sie bieten Beratung, Kurse, Betreuungsangebote und Treffpunkte für alle Generationen. Viele Häuser fungieren als Anlaufstelle für Menschen, die sich für gemeinschaftliches Wohnen interessieren. Sie vernetzen Interessierte, organisieren Informationsabende und begleiten die Gründung lokaler Wohnprojekte. Wer sich für die verschiedenen Wohnoptionen im Alter interessiert, findet in unserem Ratgeber Wohnformen im Alter: Vergleich und Optionen einen umfassenden Überblick.
Wo finde ich ein Mehrgenerationenhaus in meiner Nähe?
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend betreibt eine interaktive Karte mit allen geförderten Standorten. Über die Postleitzahlensuche auf der Programmwebseite lässt sich das nächstgelegene Mehrgenerationenhaus schnell finden. Die meisten Häuser haben feste Öffnungszeiten und bieten offene Angebote an, zu denen man ohne Anmeldung erscheinen kann.
Besonders stark vertreten sind Mehrgenerationenhäuser in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen. In ländlichen Regionen sind sie oft der einzige niedrigschwellige Treffpunkt für ältere Menschen. In Städten ergänzen sie das bestehende Angebot um die generationenübergreifende Komponente.
Modelle des Mehrgenerationenwohnens: Wer organisiert was?
Mehrgenerationenwohnen gibt es nicht als fertiges Produkt. Hinter jedem Projekt steht eine Organisationsform, die maßgeblich bestimmt, wie das Zusammenleben funktioniert, wer Eigentümer ist und wie Entscheidungen getroffen werden.
Genossenschaftliches Wohnen
Die häufigste und bewährteste Form. Eine Wohnungsbaugenossenschaft baut oder saniert ein Gebäude, und die Bewohner werden Genossenschaftsmitglieder. Sie zahlen einen einmaligen Genossenschaftsanteil, meistens zwischen 500 und 5.000 Euro, sowie eine monatliche Nutzungsgebühr statt klassischer Miete. Der Vorteil: Die Bewohner haben ein lebenslanges Wohnrecht und können über die Generalversammlung mitbestimmen. Genossenschaften wie die Münchner Wogeno, die Berliner Selbstbau eG oder die Freiburger Genova eG sind bekannte Beispiele.
Wohnprojekte in Vereinsform
Viele Mehrgenerationenprojekte werden als eingetragener Verein gegründet. Der Verein tritt als Mieter oder Bauherr auf und organisiert das Zusammenleben. Die Bewohner sind Vereinsmitglieder und zahlen neben der Miete einen Mitgliedsbeitrag. Diese Form bietet hohe Flexibilität, erfordert aber auch viel ehrenamtliches Engagement. Die Vereinsstruktur eignet sich besonders für kleinere Projekte mit 10 bis 30 Bewohnern.
Kommunale und kirchliche Träger
In manchen Städten und Gemeinden organisieren kommunale Wohnungsgesellschaften oder kirchliche Träger Mehrgenerationenwohnprojekte. Der Vorteil liegt in der professionellen Verwaltung und den oft günstigeren Mieten. Der Nachteil: Die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bewohner sind in der Regel eingeschränkter als bei Genossenschaften oder Vereinen.
Baugemeinschaften und Baugruppen
Eine weitere Option für Menschen, die Eigentum erwerben möchten. Eine Gruppe von Interessierten schließt sich zusammen, kauft gemeinsam ein Grundstück und plant das Gebäude nach den eigenen Vorstellungen. Das spart gegenüber dem Kauf einer fertigen Eigentumswohnung bis zu 20 Prozent der Kosten, da der Bauträger als Zwischenhändler entfällt. Allerdings dauert der Prozess deutlich länger, und die Gruppe muss über Jahre hinweg stabil zusammenarbeiten.
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Was kostet Mehrgenerationenwohnen?
Die Kosten variieren stark nach Region, Organisationsform und Ausstattung. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber wir von Pflege Panorama haben die wichtigsten Richtwerte zusammengestellt.
In genossenschaftlichen Projekten liegt die Nutzungsgebühr (Warmmiete inklusive Nebenkosten) meist zwischen 8 und 14 Euro pro Quadratmeter. Für eine 65-Quadratmeter-Wohnung bedeutet das monatliche Kosten von etwa 520 bis 910 Euro. Dazu kommt der einmalige Genossenschaftsanteil. In Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt liegen die Nutzungsgebühren am oberen Ende oder darüber. In Kleinstädten und ländlichen Regionen sind 7 bis 10 Euro pro Quadratmeter realistisch.
Bei Baugemeinschaften fallen die Kosten anders an. Hier kaufen die Bewohner Eigentum. Die Quadratmeterpreise liegen je nach Standort zwischen 2.500 und 5.500 Euro. Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung wären das 175.000 bis 385.000 Euro. Allerdings entfällt danach die monatliche Miete, und es fallen nur noch Hausgeld und Nebenkosten an.
Ein oft unterschätzter Kostenfaktor ist die Gemeinschaftsfläche. In Mehrgenerationenprojekten werden Gemeinschaftsräume, Gästewohnungen und Außenanlagen anteilig auf alle Bewohner umgelegt. Das kann die monatlichen Kosten um 50 bis 150 Euro erhöhen, bietet aber im Gegenzug Flächen, die sich eine einzelne Familie nie leisten könnte.
Für Senioren, die verschiedene Wohnoptionen vergleichen möchten, lohnt sich ein Blick auf unseren Ratgeber zu den besten Seniorenresidenzen in Deutschland.
Förderung und Finanzierung: Welche Zuschüsse gibt es?
Die Mehrgenerationenwohnen Förderung geht weit über das Bundesprogramm hinaus. Es gibt zahlreiche Fördertöpfe auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene, die für gemeinschaftliche Wohnprojekte genutzt werden können.
KfW-Förderung
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet zinsgünstige Kredite und Zuschüsse für barrierefreies Bauen und energieeffizientes Sanieren. Das Programm „Altersgerecht Umbauen“ (KfW 159) gewährt Kredite bis 50.000 Euro pro Wohneinheit für Maßnahmen zur Barrierereduzierung. Wer den Standard „Altersgerechtes Haus“ erreicht, kann einen Investitionszuschuss von bis zu 6.250 Euro pro Wohneinheit erhalten. Für Mehrgenerationenprojekte mit Neubau sind zusätzlich die Programme zur Energieeffizienz relevant, die je nach Standard Tilgungszuschüsse von bis zu 37.500 Euro pro Wohneinheit ermöglichen.
Landesförderungen
Die meisten Bundesländer haben eigene Förderprogramme für gemeinschaftliches Wohnen. Nordrhein-Westfalen fördert Wohnprojekte über die NRW.Bank mit zinsgünstigen Darlehen und Tilgungsnachlässen. Baden-Württemberg unterstützt Wohngruppen über das Programm „Innovativ Wohnen“ mit Zuschüssen bis 30.000 Euro. Bayern bietet über die Bayerische Landesbodenkreditanstalt Förderdarlehen für genossenschaftliche Wohnprojekte. Die genauen Konditionen ändern sich regelmäßig, und eine Beratung durch die jeweilige Landesförderbank ist empfehlenswert.
Kommunale Förderung
Viele Städte und Gemeinden vergeben Grundstücke im Erbbaurecht an Mehrgenerationenprojekte. Das senkt die Anfangsinvestition erheblich, da kein Grundstück gekauft werden muss. Stattdessen zahlen die Bewohner einen jährlichen Erbbauzins von typischerweise 2 bis 4 Prozent des Grundstückswerts. Einige Kommunen gewähren darüber hinaus direkte Zuschüsse oder stellen Räumlichkeiten für die Planungsphase zur Verfügung.
Stiftungen und Förderprogramme
Die Montag Stiftung, die Robert Bosch Stiftung und die Stiftung trias fördern gemeinschaftliche Wohnprojekte durch Beratung, Vernetzung und teilweise finanzielle Unterstützung. Die Stiftung trias vergibt Grundstücke im Erbbaurecht speziell an gemeinschaftliche Wohnprojekte und bietet damit eine Alternative zum klassischen Grundstückskauf.
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Vorteile des Mehrgenerationenwohnens
Das Mehrgenerationenwohnen bietet Vorteile, die weit über das reine Wohnen hinausgehen. Die wichtigsten haben wir zusammengestellt.
Soziale Einbindung statt Isolation
Einsamkeit im Alter ist eines der größten Gesundheitsrisiken überhaupt. Studien zeigen, dass soziale Isolation das Sterberisiko um bis zu 26 Prozent erhöht. Im Mehrgenerationenwohnen ist Kontakt mit anderen Menschen Alltag. Senioren sind eingebunden in eine Gemeinschaft, treffen beim Wäschewaschen den Nachbarn, essen gemeinsam zu Mittag oder beteiligen sich an Gemeinschaftsaktivitäten. Das ist kein organisiertes Programm wie in einer Seniorenresidenz, sondern natürliche, alltägliche Begegnung.
Gegenseitige Alltagshilfe
Die junge Familie von nebenan braucht abends einen Babysitter. Der Senior im Erdgeschoss freut sich über Gesellschaft und passt gerne auf. Im Gegenzug bringt die Familie am Samstag den Wocheneinkauf mit. Solche informellen Hilfsnetze entstehen in Mehrgenerationenprojekten ganz natürlich. Sie ersetzen keine professionelle Pflege, entlasten aber den Alltag erheblich. Wer sich speziell für gemeinschaftliche Wohnkonzepte im Pflegebereich interessiert, findet in unserem Ratgeber zur Pflege-WG gründen weiterführende Informationen.
Kostenteilung
Gemeinschaftsräume, Werkzeuge, ein Lastenfahrrad, eine Waschmaschine im Gemeinschaftsraum, ein Gästezimmer für Besucher: All das teilen sich die Bewohner. Dadurch sinken die individuellen Kosten, und gleichzeitig steigt der verfügbare Komfort. Manche Projekte organisieren auch gemeinsame Einkäufe, teilen Gartengeräte oder nutzen ein Carsharing-Modell.
Sicherheit und Stabilität
Im Mehrgenerationenwohnen fällt es schneller auf, wenn jemand Hilfe braucht. Die Nachbarn kennen sich, achten aufeinander und merken, wenn etwas nicht stimmt. Gerade für alleinlebende Senioren ist das ein enormer Sicherheitsgewinn. Gleichzeitig bieten Genossenschaften und Vereine ein stabiles Mietverhältnis, das vor Kündigung und Mieterhöhungen besser schützt als der freie Wohnungsmarkt.
Nachteile und Herausforderungen
So überzeugend das Konzept klingt, es gibt reale Schwierigkeiten, die wir nicht verschweigen wollen.
Lange Planungszeiten
Von der ersten Idee bis zum Einzug vergehen bei neuen Projekten häufig 3 bis 7 Jahre. Grundstückssuche, Baugenehmigung, Finanzierung und Gruppenbildung sind zeitintensive Prozesse. Viele Initiativen scheitern unterwegs, weil Mitglieder abspringen, die Finanzierung nicht steht oder kein geeignetes Grundstück gefunden wird.
Konflikte im Zusammenleben
Wo Menschen zusammenleben, gibt es Konflikte. Das gilt für Familien, und das gilt erst recht für Wohnprojekte mit 20 oder 30 Parteien. Streit um Lautstärke, Nutzung der Gemeinschaftsräume, Sauberkeit oder Entscheidungsprozesse ist keine Seltenheit. Erfolgreiche Projekte investieren deshalb frühzeitig in Konfliktlösungsstrukturen. Regelmäßige Plena, Mediation und klare Hausordnungen gehören zum Alltag.
Ehrenamtliches Engagement gefordert
Mehrgenerationenwohnen funktioniert nur, wenn sich die Bewohner einbringen. Gemeinschaftsräume pflegen, an Versammlungen teilnehmen, Aufgaben übernehmen: Das kostet Zeit und Energie. Nicht jeder kann oder will das leisten. Wer seine Ruhe haben möchte und keine Lust auf regelmäßige Gruppentreffen hat, ist in einem anonymen Mietverhältnis möglicherweise besser aufgehoben.
Begrenzte Verfügbarkeit
Die Nachfrage nach Plätzen in Mehrgenerationenwohnprojekten übersteigt das Angebot deutlich. Wartelisten von zwei bis fünf Jahren sind bei beliebten Projekten keine Seltenheit. Wer kurzfristig eine neue Wohnung sucht, wird in bestehenden Projekten kaum fündig. Die Alternative ist, selbst ein Projekt zu gründen, aber das erfordert die oben beschriebene Geduld.
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Mehrgenerationenwohnen vs. Senioren-WG: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden oft verwechselt, bezeichnen aber grundlegend verschiedene Konzepte. In einer Senioren-WG leben ausschließlich ältere Menschen zusammen, teilen sich eine Wohnung mit gemeinsamer Küche und Bad und organisieren ihren Alltag gemeinsam. Es handelt sich um eine reine Alters-Wohngemeinschaft. Wer sich für diese Wohnform interessiert, findet in unserem Ratgeber Senioren-WG: Kosten, Gründung und Erfahrungen alle wichtigen Informationen.
Beim Mehrgenerationenwohnen dagegen hat jeder Bewohner oder jede Familie eine eigene, abgeschlossene Wohnung. Die Altersstruktur ist bewusst durchmischt. Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Familien und Senioren leben gemeinsam in einem Gebäude oder einer Wohnanlage. Die Gemeinschaft findet in geteilten Räumen und durch gemeinsame Aktivitäten statt, nicht durch das Teilen einer Wohnung.
Ein weiterer Unterschied betrifft die Pflege. Eine Senioren-WG kann als ambulant betreute Wohngruppe organisiert sein und professionelle Pflege einbinden. Im Mehrgenerationenhaus als Wohnprojekt ist Pflege in der Regel kein zentrales Element. Wenn Bewohner pflegebedürftig werden, organisieren sie ihre Versorgung selbstständig über ambulante Dienste. Manche Projekte haben zwar Kooperationen mit Pflegediensten, aber eine integrierte Pflegestruktur wie in einer betreuten Wohngemeinschaft gibt es meistens nicht.
Beispielprojekte: So funktioniert es in der Praxis
Über Deutschland verteilt gibt es mittlerweile hunderte erfolgreiche Mehrgenerationenwohnprojekte. Einige besonders bekannte geben einen guten Einblick in die Vielfalt der Konzepte.
Das Wohnprojekt „Wohnen mit Alt und Jung“ in Köln-Nippes besteht seit über 20 Jahren und gilt als Pionierprojekt. Rund 30 Parteien leben dort in einer Wohnanlage mit Gemeinschaftsraum, Dachterrasse und Innenhof. Die Altersstruktur reicht von Kleinkindern bis zu über 80-Jährigen. Organisiert als Verein, treffen sich die Bewohner regelmäßig zum Plenum und organisieren gemeinsame Aktivitäten.
Die Wagnis eG in München ist eine Genossenschaft, die mehrere Mehrgenerationenprojekte im Stadtgebiet betreibt. In der Messestadt Riem leben über 200 Menschen in 138 Wohnungen. Das Projekt verbindet bezahlbares Wohnen mit ökologischer Bauweise und generationenübergreifender Nachbarschaft. Die Nutzungsgebühren liegen unter dem Münchner Mietspiegel, was in dieser Stadt bemerkenswert ist.
In Freiburg hat die Genova eG das Projekt „Vauban“ realisiert, ein Quartier mit mehreren Mehrgenerationenhäusern im gleichnamigen Stadtteil. Das autoarme Viertel mit hoher Lebensqualität zieht seit Jahren Menschen an, die gemeinschaftlich und nachhaltig leben wollen.
Im ländlichen Raum funktioniert Mehrgenerationenwohnen ebenfalls. Das Projekt „LebensGut Cobstädt“ in Thüringen hat einen ehemaligen Gutshof umgebaut und bietet Wohnraum für Familien und Senioren in einem Dorf mit 200 Einwohnern. Die Gemeinschaft betreibt einen Hofladen, bewirtschaftet Gärten und organisiert Kulturveranstaltungen.
Wie finde ich ein Mehrgenerationenwohnprojekt?
Der Weg zum passenden Projekt beginnt mit der Recherche. Es gibt mehrere Anlaufstellen, die wir von Pflege Panorama empfehlen.
Das Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. betreibt eine bundesweite Projektdatenbank, in der bestehende und geplante Mehrgenerationenwohnprojekte nach Region gefiltert werden können. Die Datenbank ist kostenlos zugänglich und wird regelmäßig aktualisiert.
Die regionalen Wohnprojekte-Beratungsstellen in vielen Bundesländern bieten persönliche Beratung für Interessierte und Gründungsgruppen. In Nordrhein-Westfalen gibt es die Landesberatungsstelle „Neues Wohnen im Alter“, in Baden-Württemberg das Netzwerk „Wohnberatung Baden-Württemberg“, in Bayern die „Koordinationsstelle Wohnen im Alter. Diese Stellen helfen bei der Vermittlung in bestehende Projekte und begleiten neue Initiativen.
Auch die lokalen Mehrgenerationenhäuser des Bundesprogramms sind gute Anlaufstellen. Sie kennen die regionalen Wohnprojekte und können Kontakte herstellen. Ein Besuch beim nächsten Tag der offenen Tür oder einem Infoabend lohnt sich.
Wer selbst ein Projekt gründen möchte, sollte zunächst eine Interessengruppe bilden. Aushänge in Stadtteilzentren, Anzeigen in lokalen Medien oder Aufrufe in sozialen Netzwerken bringen Gleichgesinnte zusammen. Der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Projekt ist lang, aber die Erfahrung bestehender Projekte zeigt, dass er sich lohnt.
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Für wen eignet sich Mehrgenerationenwohnen?
Mehrgenerationenwohnen ist keine Wohnform für jeden. Es eignet sich besonders für Menschen, die Gemeinschaft aktiv suchen und bereit sind, sich einzubringen. Senioren, die im Alter nicht allein leben möchten, aber auch nicht in eine Seniorenresidenz oder ein Pflegeheim ziehen wollen, finden hier eine echte Alternative. Familien mit Kindern profitieren von der informellen Kinderbetreuung und dem sozialen Netz. Alleinerziehende finden Unterstützung im Alltag. Junge Erwachsene schätzen die günstigen Mieten und die lebendige Nachbarschaft.
Weniger geeignet ist das Konzept für Menschen, die großen Wert auf Anonymität und Ruhe legen. Wer keine Lust auf Nachbarschaftstreffen, Gemeinschaftsarbeit und gelegentliche Kompromisse hat, wird sich in einem klassischen Mietverhältnis wohler fühlen. Ebenso ist Mehrgenerationenwohnen keine Lösung für akuten Pflegebedarf. Wenn professionelle Betreuung rund um die Uhr notwendig ist, braucht es andere Strukturen.
Die Realität zeigt: Die zufriedensten Bewohner sind diejenigen, die sich bewusst für diese Wohnform entschieden haben und wissen, was sie erwartet. Ein Probewohnen oder ausführliche Gespräche mit bestehenden Bewohnern vor dem Einzug sind deshalb dringend empfehlenswert.
Fazit Mehrgenerationenwohnen
Mehrgenerationenwohnen verbindet das Beste aus zwei Welten: die Eigenständigkeit einer eigenen Wohnung mit der Geborgenheit einer lebendigen Gemeinschaft. Die Herausforderungen sind real, von langen Planungszeiten über Konflikte bis hin zu begrenzter Verfügbarkeit. Aber für Menschen, die bereit sind, sich einzubringen und Gemeinschaft aktiv zu gestalten, bietet diese Wohnform eine Qualität des Zusammenlebens, die im anonymen Mietmarkt kaum zu finden ist. Wir von Pflege Panorama sind überzeugt, dass Mehrgenerationenwohnen 2026 mehr Aufmerksamkeit verdient als je zuvor.
Die wichtigsten Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Mehrgenerationenhaus und Mehrgenerationenwohnen?
Ein Mehrgenerationenhaus im Sinne des Bundesprogramms ist ein offener Begegnungsort, der von allen Generationen genutzt werden kann. Es handelt sich um eine geförderte Einrichtung mit Kursen, Beratung und Treffpunkten. Mehrgenerationenwohnen beschreibt dagegen eine Wohnform, bei der verschiedene Generationen dauerhaft in einer Wohnanlage zusammenleben. Die Begriffe überschneiden sich, sind aber nicht identisch.
Wie viel kostet eine Wohnung im Mehrgenerationenwohnprojekt?
Die Mietkosten liegen je nach Region zwischen 7 und 14 Euro pro Quadratmeter Warmmiete. Für eine 65-Quadratmeter-Wohnung sind das monatlich etwa 455 bis 910 Euro. Dazu kommen eventuell Genossenschaftsanteile (500 bis 5.000 Euro einmalig) oder Vereinsbeiträge (10 bis 50 Euro pro Monat). In Baugemeinschaften mit Eigentumserwerb liegen die Quadratmeterpreise zwischen 2.500 und 5.500 Euro.
Gibt es Förderungen für Mehrgenerationenwohnprojekte?
Ja, es gibt mehrere Fördertöpfe. Das Bundesprogramm fördert 530 Mehrgenerationenhäuser mit je 40.000 Euro pro Jahr. Für Wohnprojekte stehen KfW-Kredite für barrierefreies Bauen, Landesförderungen und kommunale Grundstücksvergabe im Erbbaurecht zur Verfügung. Stiftungen wie die Stiftung trias unterstützen gemeinschaftliche Projekte zusätzlich.